Elterngeld:Ganz oder Teilzeit

Eltern können sich die Babypause aufteilen. Auch Teilzeit-Modelle sind möglich.

Rolf Winkel und Hans Nakielski

Vom kommenden Jahr an gibt es für Mütter und Väter von Neugeborenen Elterngeld statt Erziehungsgeld. Bei der Diskussion um die Neuerung ist meist nur vom Geld die Rede. Es geht aber ebenso um die Zeit, die sich junge berufstätige Eltern nehmen können, um im Job zu pausieren oder kürzer zu treten: die so genannte Elternzeit.

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(Foto: Foto: iStockphoto)

Was ist mit Elternzeit gemeint?

Gemeint ist damit eine Zeit, in der ein Elternteil - oder auch beide - von ihrem Arbeitgeber zur Betreuung und Erziehung ihrer Kinder freigestellt werden müssen. Früher hieß dies Erziehungsurlaub.

Das Arbeitsverhältnis ruht in dieser Erziehungszeit und lebt nachher wieder auf. Die Elternzeit dauert maximal drei Jahre. 24 Monate davon müssen in den ersten drei Lebensjahren eines Kindes genommen werden. Das dritte Jahr kann, wenn der Arbeitgeber zustimmt, variabel beansprucht werden: etwa im Einschulungsjahr des Kindes, längstens aber, bis das Kind acht Jahre alt ist.

Bei einem Arbeitgeberwechsel ist der neue Betrieb jedoch nicht an die Zustimmung des früheren Chefs gebunden.

Müssen Mütter und Väter in der Elternzeit ganz im Job pausieren?

Nein. Sie können auch alternativ dazu ihre Arbeitszeit reduzieren, und zwar auf mindestens 15 und maximal 30 Stunden pro Woche. Das gilt nicht nur für die Mutter, sondern auch für den Vater. Die Teilzeit-Optionen können auch Mutter und Vater gleichzeitig wahrnehmen oder sich abwechseln.

Anspruch auf die Arbeitszeitverkürzung in der Elternzeit haben die Eltern immer dann, wenn das Arbeitsverhältnis bereits mindestens sechs Monate besteht und die Firma mehr als 15 Arbeitnehmer hat. Auszubildende werden dabei nicht mitgerechnet.

Wie wird der Antrag auf Teilzeit gestellt?

Ein amtliches Formblatt gibt es dafür nicht. Der Antrag muss nach dem Gesetz schriftlich gestellt werden, und zwar in der Regel sieben Wochen (nach der bis Ende 2006 geltenden Rechtslage: sechs Wochen) vor der beabsichtigten Arbeitszeitverkürzung. Im (formlosen) Antrag an den Arbeitgeber sollten junge Eltern festlegen, wann sie mit der Teilzeitarbeit beginnen und wie viele Stunden sie in der Woche arbeiten möchten - und zu welchen Zeiten.

Darf die Firma "Nein" zur Teilzeitarbeit sagen?

Nur in begründeten Ausnahmefällen. "Betriebliche Gründe" reichen dafür nicht. Diese müssen zudem "dringend" sein, was Gerichte nur selten anerkennen.

Das Argument, "Teilzeit passt nicht in das Arbeitszeitmodell unserer Firma", zieht nicht, befand das Bundesarbeitsgericht in einer Entscheidung vom 9. Mai 2006 (Az.: 9 AZR 278/ 05). Arbeitgeber könnten von einer jungen Mutter nicht verlangen, dass sie sich "wie jeder andere Arbeitnehmer in ein vorgegebenes Arbeitszeitmodell einfügen müsste". Außerdem urteilten die obersten Arbeitsrichter: Wenn der Arbeitnehmer "wegen seiner familiären Einbindung auf eine bestimmte Lage seiner Arbeitszeit angewiesen (ist), so gebührt seinen Interessen regelmäßig der Vorrang".

Wichtig ist jedoch: Den Antrag auf Teilzeitarbeit sollten junge Eltern möglichst nicht erst nach einem halben Jahr Erziehungsurlaub stellen. Hat der Arbeitgeber nämlich erst einmal eine Ersatzkraft für die Elternzeit befristet eingestellt, gilt dies als anerkennenswerter Grund zur Ablehnung des Teilzeitwunsches. So entschied das Bundesarbeitsgericht am 19. April 2005 (Az.: 9 AZR 233/04).

Gilt der Anspruch auf Teilzeit auch für Männer?

Selbstverständlich. Alles andere würde auf eine Diskriminierung von Männern hinauslaufen. Zwei Väter-Monate innerhalb der ersten 14 Lebensmonate des Kindes werden durch den Gesetzgeber sogar ausdrücklich gefördert. Denn dem Elternteil, der vorher keine Elternzeit genommen hat, stehen bei einer Arbeitszeitverkürzung oder Jobpause zwei Extra-Monate Elterngeld zu. Diese sollen den Nettolohnverlust abfedern, den der Vater hinnehmen muss.

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