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Didaktikexperte:Gut für Mint-Fächer

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Das Konzept des ICM muss man nicht komplett per E-Learning realisieren, sagt Christian Spannagel. Digitale Methoden mit Präsenzlehre zu kombinieren, könne dabei sehr sinnvoll sein.

(Foto: Svenja Günther)

Mathematikprofessor Christian Spannagel ist Spezialist für das Inverted Classroom Model und erklärt, wie es Online- und Präsenzlehre verbindet.

Der Mathematikprofessor und Didaktikexperte Christian Spannagel hat schon vor acht Jahren gemeinsam mit den Kollegen Jürgen Handke und Jörn Loviscach das Format des Inverted Classroom Model (ICM) als alternative Form für Vorlesungen propagiert.

SZ: Was ist der größte Vorzug des ICM?

Christian Spannagel: Das Format setzte ursprünglich bei der Unzufriedenheit des Dozenten an, bei Präsenzvorlesungen zu wenig mit den Studierenden interagieren zu können. Die Idee ist, den Aspekt der Wissensvermittlung und -aneignung in die Vorbereitung auszulagern, sodass man in der Präsenzveranstaltung Zeit hat, um die Inhalte gemeinsam mit den Studierenden zu vertiefen, Fragen zu beantworten, Probleme zu erörtern.

Hat sich das ICM inzwischen als gleichberechtigtes Angebot durchgesetzt?

Ich kenne keine Statistiken dazu, mein Eindruck ist aber, dass es an Hochschulen immer mehr Lehrende gibt, die ihn nutzen. ICM soll nicht die klassische Form ersetzen, sondern eine Alternative sein. Das Format eignet sich dort, wo disziplinspezifische Denk- und Arbeitsweisen erlernt werden - etwa für Beweisführungen in der Mathematik, Programmieren in der Informatik oder Textanalysen in den Literaturwissenschaften.

Wie wichtig sind hier Online-Medien?

Beim ICM müssen die Vorbereitungsmaterialien nicht unbedingt digital sein, aber das hilft insbesondere, wenn die Demonstration von Prozessen wichtig ist - etwa in den Mint-Fächern. In Vorlesungen führt man Berechnungen durch, die man mit Videos anschaulich präsentiert und Hochschülern digital zur Verfügung stellt. Der Kern des ICM ist nicht digitale Lehre, sondern vorbereitete Präsenz.

Wie bewerten es Studienanfänger?

Eher positiv, da sie noch nicht durch ein bestimmtes Modell geprägt sind. Ich habe auch viele Lehramtsstudierende, die Wert darauf legen, neue didaktische Modelle zu erlernen. Entscheidend ist, dass man erklärt, weshalb man dieses Konzept gewählt hat. Ein Vorteil ist, dass Studenten mehr von Präsenzveranstaltungen haben und der Lernstau vor Klausuren wegfällt, weil sie kontinuierlicher während des Semesters lernen.

© SZ vom 26.06.2020
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