bedeckt München 24°

Blamagen im Beruf:"Eine Blamage ist keine Sache von Leben und Tod"

Sie versprechen in Ihrem Buch, dass man sich das miese Gefühl der Blamage abgewöhnen kann. Wie soll das gehen?

Auch wenn wir manchmal sterben möchten vor Peinlichkeit: Eine Blamage ist keine Sache von Leben und Tod. Viele peinliche Situationen sind vergleichsweise harmlos, ja sogar witzig. Das erkennen wir in den meisten Fällen auch und lachen darüber - allerdings erst mit etwas Abstand. Wir müssen lernen, uns im Moment der empfundenen Peinlichkeit nicht noch hochzupuschen, die Angelegenheit zu dramatisieren. Dazu hilft es, sich zu vergegenwärtigen, dass viele Missgeschicke zwar in der Situation schlimm waren, dann aber sehr schnell an Bedeutung verloren haben. Außerdem ist man in der Blamage ja nicht allein: Jeder lässt mal einen Furz! Wer dieses Bewusstsein verinnerlicht, reagiert gelassener und souveräner.

Nervige Mitarbeiter

Wie sage ich meinem Kollegen, dass er stinkt?

Welche konkreten Strategien gibt es, mit einer peinlichen Situation umzugehen?

Die erste Regel lautet: Nicht das tun, was man automatisch tun möchte. Abwiegeln, Ausreden suchen, sich tausendmal entschuldigen oder die beleidigte Leberwurst spielen - all das vergrößert die eigene Scham am Ende nur. Besser ist es, über einen Fauxpas hinwegzugehen, als sei nichts geschehen. Das klappt bei den meisten kleineren Malheuren. Es gibt natürlich auch die Situationen, in denen man die Initiative ergreifen sollte: Hat man jemanden verletzt - wurde zum Beispiel beim Tratschen vom Lästeropfer ertappt -, dann heißt es: Verantwortung übernehmen, das eigene Fehlverhalten einräumen und sich entschuldigen. Gleiches gilt bei nicht eingehaltenen Versprechen und gröberen Fehlern im Job.

Hilft es auch, in die Lacher über das eigene Missgeschick einzustimmen?

Der Königsweg, um mit peinlichen Situationen umzugehen, ist Humor. Im Moment der Blamage mitzulachen, erfordert allerdings ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein und Lockerheit. Wer gestern noch vor Scham im Boden versinken wollte, wird morgen nicht schon über eigene Missgeschicke lachen können. Selbstironie kommt immer gut an, ist aber etwas für Fortgeschrittene.

Peinliche Anekdoten werden gerne im Kollegenkreis weitergetratscht. Kann man blamable Flüsterpost verhindern?

Nein. Wenn dem Chef die Hose platzt, ist die Geschichte einfach zu lustig, als dass sie nicht die Runde machen würde. Gehässigkeit ist dabei in den wenigsten Fällen das vorrangige Motiv. Als Betroffener sollte man sich fragen: Wie oft habe ich selbst schon eine ähnliche Begebenheit weitererzählt, einfach weil sie zum Lachen war? Genauso wenig, wie man selbst einen Maulkorb verpasst bekommen möchte, ist es ratsam, ihn anderen überstülpen zu wollen. Und nicht zuletzt macht einen ein kleines Missgeschick ja auch sympathisch, bringt einen den Kollegen näher - weil sich jeder schon mal blamiert hat.

Das Buch "Peinlich, peinlich ... So blamieren Sie sich selbstbewusst" von Gitte Härter ist im Gabal Verlag erschienen.