Bildungsstreik "Dem Bachelor sein Opfer"

Sie kamen mit Hiphop und Bildern von Rosa Luxemburg: Schüler und Studenten feiern den Bildungsstreik als Erfolg, auch wenn die Politik den Protest als "gestrig" geißelt - und es nicht überall friedlich blieb.

Von Constanze von Bullion, Bernd Dörries, Christiane Kohl, Dirk Graalmann, Jens Schneider und Tanjev Schultz

Studenten beklagen den Bildungstod: Die Organisatoren sprachen von insgesamt 240.000 Teilnehmern bundesweit.

(Foto: Foto: dpa)

Sie kamen mit dröhnendem Hiphop und Bildern von Rosa Luxemburg, hatten Musikboxen auf Lastwagen geladen und schwenkten Fahnen bis zur Erschöpfung. Mehr als 10.000 Schüler und Studenten, junge Leute mit Irokesenschnitt oder im Dirndl, aber auch angejahrte Gewerkschafter und Lehrer zogen am Mittwoch vom Roten Rathaus in Berlin zur Humboldt-Universität und machten sich lautstark für einen breiteren Zugang zu Bildung und mehr Geld für Schulen und Universitäten stark.

"Lehrstoff von vorgestern"

"Elite ist Schiete" stand auf einem der Transparente. "Dem Bachelor sein Opfer", hatte ein junger Mann auf sein Schild geschrieben, und ein anderer: "Ich brauch' mehr Ritalin". An der Spitze marschierten sichtlich aufgeregte Schüler, die freie Bildung für alle forderten. Neben "Minibudgets" für Schulen und der auf zwölf Jahre verkürzten Gymnasialzeit müsse auch der "Lehrstoff von vorgestern" weg.

Und natürlich wurden auch Reden geschwungen an diesem Mittwoch, dem Höhepunkt des fünftägigen, bundesweiten Bildungsstreiks. So geißelte Stefanie Graf vom Sozialistischen Studentenbund das Bachelor-Studium, das im Zuge des sogenannten Bologna-Prozesses eingeführt wurde: "Bologna hat versagt, wir wollen entscheiden, was wir studieren, und das mindestens acht Semester lang!"

Größtmögliches Verständnis

Nicht nur in Berlin blockierten Demonstranten die Straßen, in etwa 70 Städten gab es Proteste. In Hannover gingen mehr als 10.000 auf die Straße, in Nürnberg und Jena gab es Demos ebenso wie in Flensburg oder Heidelberg. Die Organisatoren sprachen von insgesamt 240.000 Teilnehmern, die Polizei kam auf weniger; die Marke von 100.000 dürfte in jedem Falle erreicht worden sein.

Bei solchen Zahlen hielten es die Politiker offenbar für klug, größtmögliches Verständnis zu zeigen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) schloss sich zumindest in Teilen der Kritik der Studenten an: Manche Studiengänge seien einfach zu spezialisiert, die Unis und Ministerien seien außerdem zu sehr auf sechs Semester bis zum Bachelor fixiert.

In Fächern wie Theologie sei das einfach zu wenig, sagte Schavan. Forderungen, den Bachelor wieder abzuschaffen, nannte Schavan jedoch "gestrig". Deutschland könne sich nicht mehr vom europäischen Bildungsraum abkoppeln. Im Juli will Schavan Vertreter der Studenten einladen, um mit ihnen über die Studienreform zu sprechen.

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