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Berufswünsche von Jungen:Lokführer war gestern, heute ist Mechatroniker

An den Traumberufen der Jungen hat sich nur wenig geändert: Technik bleibt für sie die Hauptsache. Trotzdem fürchten auch große Industrie-Unternehmen einen Personalmangel - und machen schon bei Viertklässlern Werbung für sich.

Wie sich der hoch aufgeschossene Marco Spange früher in den Lokführerstand hineingequetscht hat, bleibt sein Geheimnis. Dafür schildert der heute im Büro der DB Regio in Kaiserslautern arbeitende Bundesjugendleiter der Lokomotivführer-Gewerkschaft GDL nur zu gern die Höhepunkte seines Berufs: "Man kommt viel herum, das macht Spaß. Im Winter ist es besonders schön: Man fährt durch den schneebedeckten Wald, draußen sieht alles so still und friedlich aus - das ist einfach herrlich."

125 Jahre Kleinbahn ´Molli"

Lokomotivführer nennen nur noch wenige Jungen als ihren Traumberuf.

(Foto: dpa)

Bald werden die jüngsten Zahlen zum Ausbildungsstand 2011 bekanntgegeben. Spange hofft, dass sich in diesem Jahr wieder mehr als 1000 junge Leute zum Lokomotivführer ausbilden lassen. Sicher ist er sich nicht, denn die Bewerberzahlen gehen seit Jahren zurück. "Wir haben schon noch die klassische Klientel, die Lokführer werden möchte, häufig, weil das der Beruf des Vaters ist", sagt er, "aber den Kindheitstraum haben nur noch wenige."

Möglicherweise wissen viele Jungen nicht, dass auch ein Lokführer heute vor einer chipgesteuerten Schaltzentrale sitzt. Und darauf, so könnte man aus den Heerscharen von glanzäugigen jungen Männern in den Elektronikshops schließen, dürften sich doch die Berufswünsche der meisten männlichen Jugendlichen richten. Aber weit gefehlt: Nach wie vor führen die klassischen Technikberufe die Berufswunschliste der Jungen an.

Die Berufswahl von Jungen ist sehr traditionell ausgerichtet. Mehr als die Hälfte der männlichen Auszubildenden quer durch alle Schultypen entscheidet sich für einen von 20 jungentypischen Ausbildungsberufen im dualen System - darunter kein einziger aus dem sozialen, erzieherischen oder pflegerischen Bereich.

Um das zu ändern, fand in diesem Jahr zum zweiten Mal der bundesweite Aktionstag "Boys' Day" oder "Jungen-Zukunftstag" statt. Mehr als 34.000 Plätze für Jungen ab der fünften Klasse wurden bereitgestellt, bei denen sie ihre Talente und sozialen Kompetenzen erproben konnten. In Aktionen und Workshops sollen Schüler Geschmack an Berufen finden, in denen Männer bisher selten vertreten sind, allen voran in den vom Fachkräftemangel bedrohten Branchen Erziehung, Pflege und Gesundheit.