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Berufsbild Tierarzt:Tierliebe reicht nicht

Tierisch beliebt: Tierärzte arbeiten oft hart für wenig Geld

Keine Angst, der beißt nicht: Im fünfeinhalbjährigen Studium hat die Berliner Tierärztin Bärbel Rühe die richtigen Handgriffe gelernt.

(Foto: Florian Schuh/dpa)

Veterinärmedizin ist eines der begehrtesten Studienfächer überhaupt. Romantisch verklären sollte man den Beruf des Tierarztes aber nicht. Der Alltag ist hart, das Gehalt eher niedrig.

Bärbel Rühe hat einen Beruf, von dem viele Kinder träumen. Sie arbeitet als Tierärztin in der Kleintierklinik der Freien Universität Berlin. Rühe mag ihren Beruf. "Man bekommt so viel Gutes zurück", sagt sie. Doch das Studium ist hart. Und auch der Arbeitsalltag später kann sehr anstrengend sein.

Jedes Jahr bewerben sich ungefähr 5000 Menschen auf die etwa 1000 Studienplätze der Veterinärmedizin an deutschen Hochschulen. Die Frauenquote ist hoch, 85 Prozent der Studierenden sind weiblich. Nach einem harten und langen Studium starten Absolventen häufig als sogenannte Anfangsassistenten in den Praxen - für ein mageres Gehalt. Thomas Göbel, Studiendekan der Tierärztlichen Fakultät der Münchner Ludwigs-Maximilians-Universität, sagt: "Es bleibt ein Idealistenberuf."

Wer Tierarzt werden möchte, sollte zwar tierlieb sein. Viele dächten aber nicht daran, dass es auch unternehmerisches Denken braucht, sagt Roger Battenfeld, Geschäftsführer der Tierärztekammer Berlin. Denn etwa die Hälfte derer, die als Tierarzt arbeiten, macht sich selbständig. Darüber sollten sich Studenten im Klaren sein. Teamarbeit und Kommunikationsfähigkeit gehörten ebenfalls dazu - denn Tierärzte müssen in der Lage sein, verängstigte Halter zu beruhigen, die um ihre tierischen Patienten bangen.

Wenn Tierärztin Rühe sich an ihr Studium erinnert, denkt sie vor allem an Fleißarbeit, Selbstdisziplin und stundenlanges Auswendiglernen. "Das ist die erste Hürde", sagt sie. Das fünfeinhalbjährige Studium der Veterinärmedizin ist sehr verschult, Testate und Prüfungen gehören zum Alltag. "Anders wäre der Stoff nicht zu bewältigen", sagt Göbel.

Ein Faible für Naturwissenschaften ist für das Studium hilfreich. Denn in den ersten zwei Jahren, der sogenannten Vorklinik, geht es um das Basiswissen. Dazu gehören Grundlagenfächer wie Zoologie, Botanik, Anatomie und Physik. Anschließend drehen sich die Lehrveranstaltungen um die klinischen Themen, etwa Lebensmittelhygiene und Milchkunde. Zwischendurch sind Praktika vorgeschrieben. "Mit der Approbation nach dem Staatsexamen dürfen Tierärzte dann alles behandeln, von der Schlange bis zum Schwein", sagt Göbel. "Deshalb legen wir Wert auf ein breit gefächertes Studium."

Die Berufschancen nach dem abgeschlossenen Studium seien prinzipiell gut, weil es viele verschiedene Bereiche gibt, in denen man arbeiten kann, sagt Battenfeld. Wer Veterinärmedizin studiert, muss nicht zwingend als Tierarzt in Klein- und Großtierpraxen arbeiten. Graduierte können zum Beispiel auch in die Lebensmittelkontrolle, zum Veterinäramt, in den Tierschutz oder die Pharmazie gehen. Tierärzte hingegen haben es in den großen Städten oft schwerer mit der Jobsuche als auf dem Land, sagt Battenfeld. Studenten sollten deswegen versuchen, örtlich flexibel zu sein.

"Die Arbeitsbelastung ist hoch - aber man hat auch Freiräume und kann sein Hobby, zum Beispiel Reiten, mit dem Beruf verbinden."

Verglichen mit anderen akademischen Berufen und trotz des langen Studiums werden Tierärzte relativ schlecht bezahlt. Das zeigt die Dissertation von Bettina Friedrich, in der sie die Arbeitsverhältnisse der Anfangsassistenten untersucht. Ihr Ergebnis: Es gibt Missstände in den Bereichen Gehalt, Arbeitsklima und Arbeitszeit. So arbeiten zum Beispiel nicht wenige ohne schriftlichen Arbeitsvertrag.

Da der Beruf traditionell selbständig ausgeübt wird, gibt es keinen Tarifvertrag, sondern nur Empfehlungen, erklärt Battenfeld. So legen die Tierärztekammern ein Einstiegsgehalt für Assistenztierärzte von 2600 Euro brutto nahe, das nach der Probezeit angepasst wird. Zum Teil können die Gehälter aber deutlich darunterliegen. Hinzu kommen anstrengende Arbeitstage. "Nachtdienste, Wochenenddienste und Überstunden gehören schon dazu", sagt Rühe. Ihr Tag beginnt meist um acht Uhr mit der Frühbesprechung und endet nach der letzten Visite gegen 16.30 Uhr. Kommt ein Notfall kurz vor Schluss rein, bleibt sie länger.

"Wer selbständig ist, muss nach der Sprechstunde noch Rechnungen schreiben und Ähnliches erledigen. Die Arbeitsbelastung ist dementsprechend hoch", sagt Battenfeld. Trotzdem sieht er die Selbständigkeit positiv: "Das bedeutet auch, dass man Freiräume hat und sein Hobby, zum Beispiel Reiten, mit dem Beruf verbinden kann."

Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hängt von der Laufbahn ab. Als Alleininhaber einer Praxis kann sich das komplizierter gestalten als für Angestellte in einem Amt oder einer großen Klinik. Für Rühe überwiegen die Vorteile. Sie liebt es, im Team zu arbeiten und ihre Kollegen mit anderen Spezialgebieten immer fragen zu können. "Das ist schon genial", resümiert sie