Berufsalltag Zimmermädchen:Will Smiths Zahnseide

Das Bett ist zerwühlt, am Boden liegen ein Schlangenledergürtel und ein Plastikzahnstocher. Forkert rührt beides nicht an und saugt dran vorbei. Auf dem Glastisch steht ein aufgeklappter Laptop, Forkert wischt drumherum. Sie mag es nicht hochheben, "ich habe Angst, etwas kaputtzumachen". Das Zimmer kostet 515 Euro die Nacht, 60 Mal soviel wie Dembee Forkert in einer Stunde verdient (8,40 Euro). Von der Affäre um den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, hat sie gehört. "Eine unglaubliche Geschichte", sagt sie. Ihr selbst sei "so etwas" noch nie passiert.

Kampf gegen den Feinstaub

Zwischen 14 und 16 Zimmern putzt sie jeden Tag. Immer ist es ein Kampf gegen den Feinstaub, der auf die Möbel rieselt, wenn sie diese gerade erst poliert hat. Ein Kampf gegen das Hungergefühl ist das Putzen auch. Forkert verzichtet auf eine Mittagspause, aus Zeitgründen. So sei sie früher Zuhause. Ihr Zuhause ist eine Plattenbausiedlung in Marzahn, wo ihr deutscher Ehemann kocht und putzt. "Ich habe doch keine Lust mehr zum Putzen, wenn ich nach Hause komme", sagt sie und lacht. Ihr Traum? Sie streicht noch einmal über das in Polen gewaschene und gebügelte Bettlaken und lächelt: "Einmal eine Nacht in so einem Hotel."

Das Ritz Carlton Berlin. Es ist ein eher ruhiger Tag für Josie Schreiber, "Housekeeping Coordinator", nur 36 Gäste reisen ab. Morgen werden es 210 sein. Schreiber ist 29 Jahre alt, trägt Krawatte und das Haar zum Zopf gebändigt, in der Hand das Tagesblatt, das alle Daten enthält über Gäste und Menüs und den Spruch des Tages, den die Konzernzentrale in den USA bestimmt. An diesem Tag ist es ein Satz von Albert Einstein: "Lernen Sie von gestern, leben Sie für heute, hoffen Sie für Morgen." Zu Schreibers Job gehört es, für den Mops eines Gastes Schnuller zu besorgen, und darauf zu achten, dass die Sängerin Pink das richtige Wasser in ihrer Suite vorfindet. Seit sieben Jahren arbeitet sie im Ritz-Carlton.

Manchmal muss Schreiber auch heikle Situationen meistern: "Es ist schon vorgekommen, dass ein Zimmermädchen in einem Zimmer reinigen muss, in dem der Gast nur in Unterhose herumläuft. Dann werde ich angerufen, dass sie sich unwohl fühlt, und ich schicke einen Zimmerjungen hoch." Seit der Affäre um Strauss-Kahn, gilt auch im Ritz-Carlton Berlin, dass ein Zimmermädchen einen Türstopper befestigen muss, wenn der Gast im Raum ist. Es gibt zudem keine Massagen mehr auf den Zimmern, nur noch im Spa.

14.000 Euro - für eine Nacht

Von Stars (und ihrem Gehabe) lässt sich Josie Schreiber nicht beeindrucken, seit sie einmal im Badezimmer der Suite 1212 gesehen hat, dass der Schauspieler Will Smith dieselbe Zahnseidenmarke benutzt wie sie. "Stars sind doch auch nur Menschen", sagt sie. Der Unterschied ist nur: Sie haben etwas mehr Geld. Suite 1212 kostet 14.000 Euro - pro Nacht.

Manche Gäste, erzählt Schreiber, benähmen sich so, "wie ich mich nie in einem Hotel aufführen würde. Wir haben Gäste, vor allem aus dem Orient, die verlassen ihre Suiten, und man denkt, da hat eine Bombe eingeschlagen. Da müssen wir Teppiche extra reinigen, neu tapezieren und zerkratztes Parkett ausbessern lassen." Das werde den Gästen dann in Rechnung gestellt.

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