Berufe-Serie (III):Auf die Kommunikation kommt es an

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Dabei lauert das Risiko keinesfalls nur bei den Geschäftspartnern. Auch intern recherchieren Blaschek und seine neun Kollegen, davon die Hälfte Frauen. Bei Verstößen gegen den Verhaltenskodex. Oder wenn ein wichtiger Auftrag an den Ehepartner eines Mitarbeiters vergeben wird. Die Regelwächter reisen dann mitunter quer durch Deutschland, stellen Fragen, sichten Akten - häufig sogar zu zweit. Bis zu einer Woche kann es dauern, einen Hinweis abzuarbeiten.

Rund 80 Prozent aller Vermutungen würden sich dabei bestätigen. "Wir sprechen mit den Beschuldigten ganz offen. Es gäbe nichts Schlimmeres, als hinten herum von Ermittlungen zu erfahren", sagt Blaschek. Über die Folgen eines Verstoßes entscheidet ein Komitee, besetzt mit Vertretern aus den Abteilungen Compliance, Recht und Revision.

Überhaupt die Kommunikation. "Wir müssen klar abgrenzen: Wer ist für was zuständig", betont Blaschek. Sollte einmal gegen das Unternehmen ermittelt werden, muss die Verantwortung eindeutig verteilt sein. Und weil die Compliance als eigene Sparte bei der Allianz erst 2008 geschaffen wurde, weisen er und seine Kollegen regelmäßig auf ihre Aufgabe hin, schreiben in der Mitarbeiterzeitung. Dabei ist die Funktion des Regelwächters an sich eine klassische: Überprüft eine Rechtsabteilung, ob alle Gesetze eingehalten werden, betreibt sie auch Compliance.

Zwar bieten private Hochschulen inzwischen Studiengänge mit Zertifikat an. Die Allianz vertraut jedoch auf interne Kurse, übt Interviews und schult die Recherche im Internet. "Juristische oder investigative Kenntnisse helfen", sagt der 48-Jährige, der bei den Sozialversicherungen begann und 1995 zur Allianz wechselte. Auch die Polizei sei ein guter Anfang, schiebt er noch nach - und vertraut damit ganz auf jene, die irgendwann seine Arbeit zu Ende und die von ihm entlarvten Betrüger ins Gefängnis bringen.

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