Berufe-Serie (III) Was macht ein Compliance Officer?

Ein fingierter Autounfall, ein ungeklärter Brand, ein unschlüssiger Schadensfall: Franz Blaschek kann kaum jemand etwas vormachen. Er jagt Versicherungsbetrüger jeder Sorte - und das nicht nur außer Haus.

Von Tobias Brunner

Wenn die Terroristen zuschlagen, muss Franz Blaschek besonders aufpassen. Nicht auszudenken, welcher Schaden entstünde, übersähe eine Abteilung da etwas. "Das kann erhebliche Strafen nach sich ziehen", sagt er und erzählt Minuten später schon von fingierten E-Mails aus Nigeria und den 30 Millionen aus Saddams Staatsschatz, die in den Schreiben versprochen würden.

Franz Blaschek ist stellvertretender Chief Compliance Officer der Allianz Deutschland AG - er ist dafür zuständig, dass alles seine Ordnung hat.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Wer den 48-Jährigen reden hört, der könnte meinen, der Mann jage auf der ganzen Welt Verbrecher für den Geheimdienst. Aber Blaschek sitzt in München in einem Büro der Allianz Deutschland. Er ist stellvertretender Chief Compliance Officer und als solcher Regelwächter und zuständig für alle Arten von Wirtschaftskriminalität.

Dass Terroristen Bomben bauen, ist das Eine. Dass sie dafür Geld brauchen, das Andere. Und dass sie dieses nie erhalten, das ist Blascheks Ziel. Für ihn geht es deshalb stets um eine Frage: "Wie könnte jemand zu Geld kommen?" Über eine hohe Lebensversicherung mit vorgetäuschtem Tod zum Beispiel. Oder durch einen inszenierten Autounfall, der brächte leicht ein paar Tausend Euro ein. Ganz zu schweigen von den Betrügern, die Geld waschen wollen. Sollten solche Versuche erfolgreich sein - es wäre ein herber Verlust für das Ansehen der Allianz. Und damit ist Franz Blaschek auch schon mittendrin in seiner Arbeit, bei der die Grenzen zwischen Betrug, Geldwäsche und Korruption manchmal schnell verschwimmen.

Dennoch haben viele dieser Verbrechen etwas gemeinsam: Denn ihr Ende beginnt nicht selten am Computer, genauer gesagt an Blascheks Computer. Täglich werden dort die Sanktionslisten der Europäischen Union oder der Vereinten Nationen aktualisiert. Ein Programm gleicht die Listen dann automatisch mit den eigenen Daten ab. Eine andere Software wird mit bestimmten Kriterien gespeist, filtert auffällige Transaktionen raus und meldet diese. Ein Tanker, der Rohöl aus Iran verschifft? Kann beim derzeitigen Embargo der EU nicht versichert werden. Ein Geldwäsche-Fall? Kapital einfrieren, dem Landeskriminalamt melden, Beziehungen beenden. Aber: "Die Betrüger werden immer cleverer."