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Ohrgeräusche:Jeder Zehnte leidet an Tinnitus - mindestens

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Wer laute Beschallung vermeidet, schützt sich auch vor Tinnitus.

(Foto: dpa)
  • Eine Erhebung amerikanischer Ärzte zeigt: 9,6 Prozent der Erwachsenen in den USA klagten über Tinnitus - das sind 21,4 Millionen Menschen.
  • Die Studie zeigt, dass sich das Risiko für Tinnitus verdreifacht, wenn die Patienten im Beruf oder in der Freizeit chronisch lauten Geräuschen ausgesetzt sind.
  • Erhebungen in anderen Ländern zufolge leiden zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung an Tinnitus.

Der Ton macht nicht nur die Musik, sondern auch das Leiden. Besonders lästig ist das Geräusch, wenn keine externen Quellen dafür auszumachen sind, aber trotzdem ständig dieses Rauschen, Pfeifen, Klingeln, Hämmern, Summen oder Fiepen zu hören ist. Tinnitus kann das Leben zur Hölle machen. Wer daran leidet, hat oft auch Schwierigkeiten, gut zu schlafen, zu hören und sich zu konzentrieren. Die Lebensqualität ist extrem beeinträchtigt, alles wird von dem zermürbenden Dauerton überlagert.

Extremer Lärm einmal im Monat, etwa beim Rockkonzert, kann das Risiko verdoppeln

Wie verbreitet das fiese Geräusch im Ohr ist, haben Ärzte aus den USA aktuell erhoben. Im Fachmagazin JAMA Otolaryngology-Head & Neck Surgery (online) vom heutigen Freitag zeigen sie, dass 9,6 Prozent der amerikanischen Erwachsenen in den zurückliegenden zwölf Monaten über Tinnitus-Symptome klagten - das sind allein in den USA 21,4 Millionen Menschen. Bei immerhin 27 Prozent der Betroffenen bestanden die lästigen Beschwerden bereits länger als 15 Jahre, bei mehr als der Hälfte seit mindestens fünf Jahren. 36 Prozent berichteten davon, dass keine Besserung der Symptome im Krankheitsverlauf eingetreten sei.

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Das Team um Harrison Lin von den Universitäten in Irvine und Harvard hatte eine repräsentative, landesweite Umfrage an mehr als 75 000 Erwachsenen ausgewertet und hochgerechnet. Demnach stellt der Tinnitus für 7,2 Prozent der Betroffenen ein "sehr schwerwiegendes Problem und eine große Einschränkung" dar, 41,6 Prozent fühlten sich nur geringgradig beeinträchtigt. Erstaunlich für die Autoren war, dass nur knapp die Hälfte der Betroffenen mit einem Arzt über ihr Problem gesprochen und nach Behandlungsmöglichkeiten gefragt hatte.

"Tinnitus kann den Alltag massiv stören, dabei gibt es Risikofaktoren, die sich beeinflussen lassen, und diverse Möglichkeiten der Therapie", sagt Lin. "Ärzte müssen ihren Patienten klarmachen, was sie positiv verändern können." So zeigt die aktuelle Studie, dass sich das Risiko für Tinnitus verdreifacht, wenn die Patienten im Beruf oder in der Freizeit chronisch lauten Geräuschen ausgesetzt sind.

Je länger die Lärmbelästigung anhält, desto größer der Anteil der Erkrankten. So leidet von jenen geplagten Menschen, die länger als 15 Jahre eine Dauerbeschallung ertragen mussten, ein Viertel an Tinnitus. Aber auch extremer Freizeitlärm einmal im Monat - etwa bei einem Rockkonzert - erhöht den Anteil der von Tinnitus Betroffenen auf 17,1 Prozent gegenüber 7,4 Prozent bei jenen, die sich nicht freiwillig dieser Geräuschbelästigung hingeben.

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Erhebungen in anderen Ländern zufolge leiden zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung an Tinnitus; bis zu ein Fünftel von ihnen fühlt sich stark beeinträchtigt. Hilfreich kann die kognitive Verhaltenstherapie sein. Patienten, deren Gehirn die Fähigkeit eingebüßt hat, Störgeräusche wegzufiltern, müssen wieder lernen, auf etwas anderes als den Dauerton zu achten und sich nicht davon vereinnahmen zu lassen. Wenn es gelingt, Belastungen zu verringern und auslösende Situationen zu meiden, werden die Beschwerden bei vielen Patienten gelindert, für andere sind Medikamente die beste Lösung. Manchmal ist der Leidensdruck allerdings so groß, dass die Menschen auch zu allerlei obskuren Mitteln greifen.