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Luftverschmutzung in China:Kohle kostet Leben

Smog in China

Luftverschmutzung ist Alltag in China. Dies wirkt sich auf die Gesundheit aus.

(Foto: AFP)

Im Norden Chinas heizen die Menschen üppig mit kostenloser Kohle. Diese Praxis verursacht eine hohe Feinstaubbelastung - und rächt sich durch eine kürzere Lebensdauer.

Die Menschen im Norden Chinas sterben durchschnittlich 5,5 Jahre früher als im Süden. Schuld ist die hohe Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke, berichten Forscher aus China, Israel und den USA im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences.

Die Forscher werteten Daten zur Luftverschmutzung aus 90 chinesischen Städten von 1982 bis 2000 aus. Nördlich des Huai-Flusses war die Feinstaubbelastung um 55 Prozent höher als südlich und lag bei 184 Mikrogramm pro Kubikmeter. Grund ist, dass die Menschen im kälteren Norden des Landes seit Jahrzehnten von der Regierung kostenlose Kohle zum Heizen erhalten - die Menschen im Süden nicht. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Feinstaub-Grenzwert bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter und wird nur selten überschritten.

Die durchschnittliche Lebenserwartung schätzten die Forscher auf der Basis von Sterbedaten, erhoben zwischen 1991 und 2000. Das Ergebnis: Die Menschen im Norden leben durchschnittlich fünfeinhalb Jahre kürzer als im Süden. Grund für den frühzeitigen Tod seien Herz- und Atemwegserkrankungen, Schlaganfall oder Lungenkrebs.

Dass Umweltverschmutzung einen negativen Einfluss auf die Gesundheit hat, ist durch zahlreiche Studien belegt. Prinzipiell ist der Einfluss auf die Lebenserwartung schwer zu erfassen, weil viele verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. In China ermöglichten die geringe Migrationsrate während der 90er Jahre und die klaren Unterschiede im Grad der Luftverschmutzung zwischen Norden und Süden besonders zuverlässige Daten.

Im April dieses Jahres hatte Greenpeace eine Studie vorgelegt, die zeigt, welche Gesundheitsgefahren in Deutschland von Kohlekraftwerken ausgehen. Feinstaub und Schwermetalle, die von den Kraftwerken in die Luft gepustet wurden, führten 2010 den Berechnungen zufolge zu mehr als 3000 Todesfällen.

© Süddeutsche.de/dpa/aba/beu/rus
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