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IGeL:Nicht ohne Vertrag

Ob Glaukom-Früherkennung oder PSA-Test - immer häufiger bekommen Patienten in Arztpraxen individuelle Gesundheitsleistungen angeboten. Der Sinn vieler Angebote ist fraglich. Manchmal werden Untersuchungen als Selbstzahler-Leistungen verkauft, obwohl die Kasse dafür zahlt. Wie sich Patienten vor derartigen Offerten schützen.

"Den PSA-Test machen wir auch gleich mit." Täglich werden Patienten diese oder andere individuelle Gesundheitsleistungen (IgeL) von Ärzten - mehr oder weniger nachdrucksvoll - vorgeschlagen. Eigentlich dürfen die privatärztlichen Behandlungen nur auf Wunsch des Patienten und nach ausführlicher Beratung stattfinden. Aber die Praxis sieht oft anders aus.

Wie eine aktuelle Versicherten-Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK 2012 ergab, hatten rund zwei Drittel der befragten IGeL-Patienten keine schriftliche Zustimmung erteilt, über die Hälfte war über den Nutzen nicht aufgeklärt worden und jeder Vierte fühlte sich vom Arzt unter Druck gesetzt. 22 Prozent hatten für ihre Barzahlung keine Rechnung erhalten.

"Patienten vertrauen auf die Fachkenntnis ihres Arztes und folgen seinen Vorschlägen", sagt Judith Storf von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). "Einige berichten, dass sie auch Angst haben, ihrem Arzt zu widersprechen und damit das Verhältnis zu ihm zu belasten." Mitunter übten Mediziner einen erheblichen Druck auf Patienten aus; da fielen auch schon mal Sätze, wie: "Wenn Sie die Augeninnendruckmessung nicht wollen, sind Sie selbst schuld, wenn Sie erblinden", berichtet die Beraterin. Die UPD beantwortet jedes Jahr über tausend Fragen und Beschwerden im Zusammenhang mit IGeL.

Viele Vorsorge-Untersuchungen sind überflüssig

Der Markt der Selbstzahlerleistungen boomt. Rund 18 Millionen gesetzlich Versicherte nahmen im Jahr 2012 IGeL in Anspruch. Von 2001 bis 2012 stieg laut AOK der Anteil der Kassenpatienten von neun auf knapp 30 Prozent. Das Wissenschaftliche Institut der Kasse schätzt den Umsatz, den Ärzte 2012 mit IGeL machten, auf rund 1,3 Milliarden Euro. "Top-Seller" sind der Ultraschall der Eierstöcke, der PSA-Test zur Krebsfrüherkennung und die Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung.

Der Nutzen dieser und vieler anderer IGeL ist indes umstritten. Entweder fehlen Studien dazu oder sie liefern keine hinreichenden Beweise, dem stehen in vielen Fällen Risiken entgegen. Insbesondere Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen - die am häufigsten angebotenen IGeL - bewertet der Medizinische Dienst der Krankenkassen bei gesunden Patienten bislang überwiegend als "negativ", "tendenziel negativ" oder "unklar". Detaillierte Bewertungen der wichtigsten Angebote sind auf der Internet-Seite www.igel-monitor.de zu finden.

Sinnvoll können dagegen Wunschleistungen sein, die in die Kategorien Beratung und Impfung vor Fernreisen, Sportmedizinische Untersuchungen und Eignungstests fallen.

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Wenn die Praxis zum Basar wird

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