bedeckt München 23°
vgwortpixel

Hörgeräte für Gesunde:Wie bitte?

Hörgeräte

Hörhilfen profitieren von der Digitaltechnik - sie werden besser und kleiner.

(Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)

Die Hörgeräte-Branche möchte auch Gesunde mit ihren Hilfen ausstatten. Dabei ist der Knopf im Ohr selbst für viele Schwerhörige nicht attraktiv. Allein in Deutschland nutzen Millionen Menschen keine Hörhilfe, obwohl sie sie nötig hätten.

Das Kind kriegt Gänsehaut, wenn das Messer auf dem Teller quietscht, aber dem Vater fällt gar nichts auf. Draußen pfeifen die Vögel wieder, aber die alte Frau lebt noch in ihrem eigenen Winter. Lange Zeit merken viele Betroffene gar nicht, dass sie immer schlechter hören, denn der Prozess geht schleichend vor sich. Zehn bis 15 Millionen Menschen in Deutschland (die Zahlen variieren bei verschiedenen Studien) haben eine Hörminderung, die man mit einem Hörgerät korrigieren könnte.

Aber wie das schon klingt! Hörgerät. Nach Altenheim klingt das, nach verzweifelten Opas, die gegen das Pfeifen aus den klobigen, fleischfarbenen Apparaten hinter dem Ohr kämpfen. Fiiiiiiiep. Und die dann trotzdem dauernd nachfragen müssen.

Szenenwechsel: Ein Wohnzimmer mit einem Flachbildfernseher. Es läuft eine Sitcom, aber der Ton ist abgedreht. Die junge Frau auf der Couch lacht trotzdem immer wieder mal auf. Erst wer genau hinsieht, bemerkt: An den Fernseher ist ein kleines Kästchen angeschlossen, kleiner als eine Zigarettenschachtel. Und die Frau? Nun, man müsste ihr schon sehr nahe kommen, um die Hörgeräte zu entdecken, sie sind so klein, dass man sie kaum sieht.

Geräte für das Arbeiten in lauter Umgebung

So in etwa stellt die Hörgeräteindustrie sich das vor und zeigte die Neuerungen auch stolz auf der Ifa, der Weltmesse des unterhaltungstechnischen Schneller, Höher, Weiter. Aber bis solche Geräte in unser aller Alltag Einzug halten, ist es noch ein weiter Weg.

Bisher tragen ja noch nicht mal alle Menschen, die es eigentlich nötig hätten, eine Hörhilfe. Und nun will man auch Gesunde dazu bringen, solche Geräte zu verwenden? "Das werden andere Apparate sein als die für Schwerhörige", sagt Hans-Peter Bursig, Präsident des Bundesverbandes der Hörgeräteindustrie. Sie könnten zum Beispiel helfen, wenn man in einer lauten Umgebung arbeiten muss und trotzdem Gespräche gut mitbekommen will.

An den Geräten liegt es jedenfalls nicht, wenn das Geschäft nicht so in Schwung kommt, wie die Industrie sich das wünscht. Seit bei Hörgeräten vor etwa zehn Jahren der Umstieg auf digitale Technik vollzogen wurde, haben sie sich, wie auch Handys oder Computer, rasend schnell verbessert: Sind kleiner und intelligenter geworden, bei höherer Klangqualität. Und die Entwicklung geht immer weiter: "Schon im Vergleich zu Geräten, die drei Jahre oder älter sind, merken Sie den Unterschied deutlich", sagt Bursig.