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Wohn-Riester:Unter dem Strich ein Plus

Diese Art der Vermögensbildung bleibt wegen der nachgelagerten Besteuerung und anderer Hürden umstritten, lohnt sich dennoch oft. Das sagen nicht nur Anbieter.

Als "Motor der Riester-Rente" bezeichnet Alexander Nothaft vom Verband der Privaten Bausparkassen den Wohn-Riester. Ursprünglich zur Tilgung eines Immobiliendarlehens gedacht, gibt es für reine Annuitätendarlehen mit Riester-Förderung aber kaum noch Angebote. "Den Banken ist offenbar der Aufwand zu hoch", sagt Jörg Sahr von der Stiftung Warentest. Was das gängigere Modell ist: ein Bausparvertrag, in den die Fördergelder eingezahlt werden.

Maximal 2100 Euro Sparbetrag und später Tilgungsleistung werden pro Jahr gefördert. Durch die Förderung kommt es zu einer schnelleren Zuteilung des Gesparten und am Ende zu einer schnelleren Tilgung der Schulden.

Ab 2018 gibt es eine höhere Grundzulage - 175 Euro statt 154 Euro

Ab 2018 steigt die Grundzulage von 154 auf 175 Euro im Jahr, pro Kind bleibt es bei 185 Euro für bis Ende 2007 geborene und bei 300 Euro für ab 2008 geborene Kinder. Die Kinderzulage gibt es solange wie Kindergeld bezogen wird.

Wie jedes Riestern unterliegt der Wohn-Riester der nachgelagerten Besteuerung, das heißt, sämtliche erhaltene Förderungen müssen im Alter versteuert werden. Das Wohnförderkonto, auf dem die geförderten Beträge dokumentiert und verzinst werden, muss spätestens zum 68. Lebensjahr aufgelöst werden, und dann muss man Steuern zahlen. Das kann man monatlich tun, bis man 85 Jahre alt ist, oder mit einer Einmalzahlung erledigen. Zahlt man alles sofort, gibt es 30 Prozent Rabatt.

Laut der Verbraucherzentrale Bremen kann das eine stolze Summe sein. Finanzexperte Hartmut Schwarz stellt folgende Rechnung auf: "Nehmen wir mal ein Wohnförderkonto, da stehen etwa 60 000 Euro drauf. Dann müssen in diesem Jahr 40 000 Euro zusätzlich versteuert werden. Wenn ich mal einen üblichen Steuersatz ansetze für durchschnittlich Verdienende, dann kommen da schon 6000 Euro raus." Deshalb mahnt Schwarz: "Denken Sie dran, dass Sie, sobald das Darlehen getilgt ist, nicht aufhören, die monatliche Rate beiseite zu legen". Nothaft vom Verband der Privaten Bausparkassen betont dennoch: "Unter dem Strich verbleibt ein Plus. Die eingesparte Miete im Alter ist deutlich höher als die Steuerzahlung."

Die nachgelagerte Besteuerung ist nicht der einzige Haken. Die geförderte Immobilie muss auch selbst genutzt werden. Zwar kann die Förderung auf ein anderes Haus oder eine andere Wohnung übertragen werden, aber ganz verabschieden kann man sich aus den Bedingungen der Wohn-Riester-Verträge nicht, sonst riskiert man eine Rückzahlung der Förderung. Als Bausparvertrag könne sich Wohn-Riester unter dem Strich dennoch lohnen, meint Warentester Sahr. Zwar habe man in der Sparphase den Nachteil, dass das Guthaben nur gering verzinst werde und auch noch Gebühren anfielen. Doch falls die Hypothekenzinsen steigen, zahle sich der Anspruch auf das zinsgünstige Bauspardarlehen aus.

Nach Ansicht der Verbraucherzentrale nutzen noch zu wenige die Riester-Förderung für das Eigenheim. Zu kompliziert finden sie laut Finanzexperte Schwarz die ganze Abwicklung und die Gedanken, die man sich um eine spätere Besteuerung machen muss. "Das wäre unsere Forderung an die Politik, dass sie dieses Modell nicht an den Förderbeträgen attraktiver macht, sondern die Abwicklung einfacher."

© SZ vom 10.11.2017 / dpa, SZ
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