Wirtschaft: Absteiger des Jahres 2010 – Steve Rattner

Es hätte einer der größten Tage im Leben des Steve Rattner sein können. Am 17. November kehrte General Motors an die Börse zurück, gut 17 Monate nach der Insolvenz. Der Ausgabepreis von 33 Dollar überraschte selbst Optimisten. Das alles war auch Rattners Werk. Der 58-Jährige hatte als "Autozar" von Präsident Barack Obama die geordnete Insolvenz des Konzerns organisiert.

Tatsächlich wurde der 17. November zu einem Tag der Schmach für Rattner. Fast zeitgleich mit dem Börsengang teilte der Generalstaatsanwalt von New York, Andrew Cuomo, mit, er werde Rattner wegen verbotener Wertpapiergeschäfte anklagen. Die Klage betrifft dessen Hauptjob als Chef der Finanzfirma Quadrangle in New York. In dieser Funktion soll er 2005 und 2006 insgesamt 150 Millionen Dollar an Provisionen gezahlt haben, um mit den staatlichen Pensionsfonds in New York ins Geschäft zu kommen. Derartige "Kickbacks" sind in den USA verboten.

Wegen der Vorwürfe war Rattner bereits im Juli 2009 als Autozar zurückgetreten. Mit der Börsenaufsicht SEC einigte er sich auf eine Strafe von 6,2 Millionen Dollar. Cuomo will nun 26 Millionen Dollar Strafe haben und Rattner für den Rest seines Lebens vom Wertpapierhandel in New York ausschließen. Der Beschuldigte warf Cuomo daraufhin in einem Brief "Erpressung" vor. Die Sache hat eine sehr persönliche Komponente: Sowohl Rattner als auch Cuomo sind einflussreiche Mitglieder der Demokratischen Partei in New York. Cuomo wurde am 2. November zum Gouverneur des Bundesstaates gewählt und tritt sein Amt am 1. Januar an.

Bild: REUTERS 28. Dezember 2010, 11:482010-12-28 11:48:19 © SZ vom 28.12.2010/aum