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Wein als Kapitalanlage:Trinken oder verkaufen

Als reine Kapitalanlage ist Wein für private Anleger ein riskantes Geschäft, nur Genießer gewinnen fast immer - einen guten Tropfen.

Elisabeth Dostert

Am kommenden Wochenende ist es wieder so weit. Dann versteigern in Trier, Eltville und Bad Kreuznach Winzer von Mosel, Saar, Ruwer, Nahe, Ahr und aus dem Rheingau ihre besten Tropfen.

Wein als Kapitalanlage: Trinken oder verkaufen

Eine Spätburgunder-Traube wird über einem Refraktometer ausgepresst. Damit wird der Öchslewert gemessen.

(Foto: Foto: dpa)

Die Vorbereitungen sind längst abgeschlossen und die Weine von einer Jury aus Winzern und Händlern taxiert. Die Ergebnisse der vergangenen Jahre können sich sehen lassen. Eine Riesling Auslese lange Goldkapsel, Jahrgang 2005, aus der Einzellage Saarburger Rausch des Weinguts Forstmeister Geltz-Zilliken aus Saarburg, ausgerufen zum Preis von 160 Euro für die 1,5-Liter-Flasche, ging 2006 für knapp 450 Euro weg.

Solche Ergebnisse zeigen, "dass auch deutsche Weine als Kapitalanlage taugen. Aber die Menge, die dafür in Frage kommt, ist relativ klein, weniger als zwei Prozent der gesamten deutschen Produktion", sagt Winzer Hanno Zilliken, ihm gehört das Weingut.

Bei der Auktion am nächsten Freitag in Trier zählt seine Beerenauslese aus dem Saarburger Rausch, Jahrgang 2005, in der 1,5 Liter-Flasche, mit einem taxierten Preis von 400 Euro pro Flasche zu den teuersten Weinen, die unter den Hammer kommen. Es ist ein Versteigerungswein, es gibt ihn nur dort. Insgesamt hat Zilliken 250 Liter davon produziert. Ein Drittel kommt zur Auktion, ein Drittel in den Weinkeller und ein Drittel wird über die Jahre hinweg für Verkostungen benötigt.

So einfach lässt sich Marktwirtschaft leben: knappes Gut, hoher Preis. Niemand versteht das besser als die Weingüter in Bordeaux, der bedeutendsten Anbauregion der Welt. Vor allem ihnen gilt das Augenmerk der weltweiten Weininvestoren, und die Spitzengewächse aus Bordeaux bestimmen auch maßgeblich die Entwicklung des Index Liv-ex 100 der Londoner Internet-Weinbörse Liv-ex (www.liv-ex.com).

Das Marktbarometer erfasst die Preisentwicklung von 100 Spitzengewächsen. Als ein Maß für die Qualität gilt die Bewertung durch Robert Parker, einer der einflussreichsten Weinjournalisten. Bis zu 100 Punkte vergibt er. Die Schwergewichte im Index, Weine der Chateaus Lafite Rothschild oder Latour, bringen es in der Regel auf mehr als 90 Punkte und gelten als außergewöhnliche Erzeugnisse.

Binnen Jahresfrist legte der Liv-ex 100 um gut 50 Prozent zu (Grafik). Nun macht sich allerdings die Sorge breit, die Krise am US-Hypothekenmarkt könne auch die Weinpreise belasten, heißt es im Marktbericht der Börse für August. Der Markt sei "sicher nicht immun gegen Verwerfungen an den Finanzmärkten, denn es gibt eine Korrelation zwischen Weinpreisen und Wohlstand gemessen an der Zahl der Millionäre."

Eine Konsolidierung sei aber durchaus "heilsam", denn Spitzenweine seien allzu lang eine sichere Wette gewesen. "Die private Anleger erst gar nicht eingehen sollten. Weine eignen sich nicht als Kapitalanlage", sagt Paula Bosch. Deutschlands bekannteste Sommelière arbeitet im Münchner Restaurant Tantris. Privatpersonen kommen ihr zufolge gar nicht an die nötigen Mengen heran, damit sich das Geschäft richtig lohnt.

"Es gibt natürlich Zocker, die es schon glücklich macht, wenn sie heute einen 1er Grand Cru aus Bordeaux für 450 bis 550 Euro pro Flasche zum Subskriptionspreis kaufen und ihn nach der Lieferung in eineinhalb Jahren für 200 oder 300 Euro mehr verkaufen können. Aber was macht ein Wertzuwachs von 1000 bis 2000 Euro für einen Sinn", fragt Bosch und verweist auf die vielen Risiken des Investments.

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