Warren Buffett auf Schmeicheltour "Suche Firma, die ein Idiot führen kann"

Warren Buffett, reichster Mann der Welt, will in Deutschland investieren - und zwar in den Mittelstand. In Frankfurt rührt der Senior die Werbetrommel für seine weltweit agierende Finanzholding.

Von Markus Zydra

Der reiche Onkel aus Amerika macht es kurz: "Rufen Sie mich an, ich kaufe morgen, wenn ich das Geschäft verstehe." Warren Buffett auf Zwischenstation am Flughafen Frankfurt am Main, organisiert von der IMD Business School in Lausanne und dem Industriekonzern Iscar.

Deutscher Mittelstand, wo bist Du? - Warren Buffett möchte in den Standort Deutschland investieren.

(Foto: Foto: ddp)

"Je größer der Betrieb desto besser"

Der reichste Mann der Welt mit einem Vermögen von 63 Milliarden Dollar will investieren. In Deutschland. In eigentümergeführte Betriebe. "Je größer der Deal umso besser. Mehr als 20 Käufe schaffe ich nicht pro Jahr", witzelt er mit Hinweis darauf, dass er mehrere Milliarden Dollar einsetzen will - nicht nur in Deutschland. "Das Geschäftsmodell sollte nicht zu komplex sein. Dafür bin ich zu dumm", kokettiert der 77-Jährige.

Ja, hier spricht tatsächlich Warren Buffett, der als Guru und Legende bezeichnet wird. Jetzt, da er zehn Meter entfernt auf einem Podium sitzt, wirkt er bodenständig, wie ein Familienunternehmer. Er hat es geschafft, schon lange, und lässt es sich nicht anmerken. Er ist im Rentenalter und macht weiter. "Das ist alles, was ich machen möchte. Investieren."

Nun ist er auf Werbetour in Europa. "Ich will deutlich machen, dass ich der beste Partner bin, wenn in Familienbetrieben aus internen oder steuerlichen Gründen ein Verkauf ansteht. Ich kann warten." Buffett spricht wie ein Politiker. Er kämpft um Stimmen in den Konzernen. Und er beruhigt. "Wenn wir einsteigen, bleiben wir für immer. Wir haben kein Interesse daran, zu kaufen um zu verkaufen." In der Tat gilt Buffett als Mann der langen Leine. Er kauft Konzerne mit einen guten Management und lässt es weitermachen.

Buffett trifft sich in den kommenden Tagen mit zahlreichen Unternehmen. Die Liste ist geheim, der Maestro verrät nichts. Er habe noch keinen Deal in Planung. "Das Telefon hat noch nicht geklingelt", sagt Buffett und erläutert, wie er vorgehen würde. "Wir treffen das Management, dann muss der Preis stimmen, und los geht's." Buffett schickt keine Analysten in die Firmen, um eine zweite Meinung einzuholen. "Ich habe noch nie Beraterfirmen engagiert. Wenn ich ein Geschäft nicht verstehe, dann möchte ich mich auf keine zweite Meinung verlassen. Ich habe Firmen gekauft, ohne sie je gesehen zu haben."

Keine hohe Meinung von der Wall Street

Mit seiner Investmentholding Berkshire Hathaway ist Buffett der erfolgreichste Investor aller Zeiten. Aktionäre machten durchschnittlich 21 Prozent Rendite jährlich seit 1965. Buffett ist an 76 Firmen beteiligt, darunter Coca-Cola und Swiss Re. Buffett hält nicht viel von der Wall Street und dem täglichen Börsenhandel. "Familienbetriebe denken langfristig und müssen ihre Strategie nicht an den kurzfristigen Trends der Börse ausrichten", sagt er. Der 77-Jährige hat feste Überzeugungen. "Man muss verstehen, was man tut." Die Interneteuphorie Ende der neunziger Jahre verstand er nicht. Er blieb außen vor. Bis zum Jahr 2000 wurde er dafür ausagelacht, nach dem Absturz der New Economy war er wieder der Held.

Die aktuelle Finanzkrise ist seiner Meinung nach noch nicht vorbei, aber eigentlich interessieren ihn volkswirtschaftliche Zyklen nicht. "Wir denken langfristig, und da ist es egal, wie hoch die Zinsen oder das Wachstum sind. Entscheidend ist ob die Firma gut ist. Jetzt und in den nächsten 100 Jahren."

Buffetts Gewinn ist im letzten Jahr auch eingebrochen. Um 64 Prozent auf 940 Millionen Dollar. Derivate nannte er Massenvernichtungswaffen - bei ihm im Depot gibt es jedoch auch einige dieser Papiere. Eine Milliardenabschreibung auf eine Verkaufsoption belastete das erste Quartal. Aber das kann seinem Image nichts mehr anhaben. Buffett fährt auch nach Italien, Spanien und die Schweiz. Viele Familienunternehmen bräuchten langfristige Finanzsicherheit. "Man muss eine Firma kaufen, die jeder Idiot führen kann - bevor ein Idiot das Ruder übernimmt", gibt er noch mit auf den Weg. Dann geht er, das Telefon ist an.