bedeckt München 19°

Währungsstreit: Vorstoß von Robert Zoellick:Das Gold soll es richten

Weltbank-Chef Robert Zoellick überrascht im Währungsstreit mit einer Idee: In einem reformierten Wechselkurssystem soll der gute alte Gold-Standard eine Rolle spielen. Der war mit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems gescheitert.

Der Chef der Weltbank, Robert Zoellick, hat sich für ein neues System internationaler Wechselkurse ausgesprochen, in dem auch ein neuer Gold-Standard definiert werden sollte. Dieses System könnte das in den siebziger Jahren gescheiterte Bretton-Woods-Abkommens über feste Wechselkurse ersetzen.

UN-Naturschutzkonferenz in Nagoya

Weltbank-Chef Robert Zoellick plädiert für ein neues System internationaler Wechselkurse.

(Foto: dpa)

Zoellick erklärte in der Financial Times, ein neues Währungssystem würde "vermutlich den Dollar, den Euro, den Yen, das Pfund und den Yuan umfassen und sich in Richtung Internationalisierung bewegen." Es sollte auch überlegt werden, den Goldpreis als internationalen Referenzwert der Markterwartungen für Inflation, Deflation und künftige Währungsbewertungen zu installieren, sagte Zoellick.

Der Preis für Gold hatte am Montag ein Rekordhoch bei 1398 Dollar je Feinunze markiert, vor allem wegen der Sorgen über die Schwäche der US-Währung. Die US-Notenbank Fed hatte vergangene Woche ihre Geldpolitik weiter gelockert und angekündigt, Staatsanleihen in Milliarden-Höhe zu kaufen.

Kritik auch aus Russland

Analysten begrüßten den Vorschlag Zoellicks im Grundsatz, gehen aber nicht davon aus, dass solche Reformen bald in die Tat umgesetzt werden können. Ab Donnerstag findet in Südkorea der G20-Gipfel statt, bei dem auch über das Thema Währungen gesprochen werden soll.

Das letzte Mal als ein Gold-Standard herrschte, konnte dieser nicht mehr aufrecht erhalten werden, woran schließlich 1973 das Bretton-Woods-System scheiterte. Zuvor war die US-Regierung in Folge des Vietnamkrieges international zahlungsunfähig geworden. Die US-Notenbank Fed war daher seit 1971 nicht mehr ihrer Verpflichtung nachgekommen, Dollars gegen Gold einzutauschen.

US-Präsident Obama wehrte sich kurz vor dem Treffen gegen die internationale Kritik an der lockeren Geldpolitik der amerikanischen Notenbank. Es sei das Mandat seiner Regierung und auch der Fed, die Wirtschaft in Schwung zu bringen, sagte Obama am Montag in Neu Delhi. Das sei nicht nur zum Vorteil der USA, sondern komme der Weltwirtschaft zu Gute.

Nach Deutschland und China kritisert nun auch Russland das Vorgehen der US-Notenbank heftiger. Russland macht sich dafür stark, vor einer derart starken Lockerung der Geldpolitik die 20 wichtigsten Schwellen- und Industrieländer zu Rate zu ziehen. Staatspräsident Dmitrij Medwedjew werde sich für diesen Vorschlag starkmachen, sagte Russlands G20-Chefunterhändler Arkadij Dworkowitsch.

© sueddeutsche.de/Reuters/dpa/mel/aum/pak

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite