Vorsätze fürs neue Jahr:Meist bleibt es bei einem Plan

Dieses Geld findet man zum Beispiel auf der Rechnung seines Stromanbieters. Jahrelang haben die Energieversorger ihre Preise erhöht und steigende Umlagen an den Kunden weitergereicht, der Preis für Strom ist in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als die Preise für Öl und Gas. Trotzdem sind bundesweit noch immer mehr als ein Drittel aller Stromkunden bei ihrem Grundversorger unter Vertrag. Das ist meistens die teuerste Alternative.

In Nordrhein-Westfalen zeigt die örtliche Verbraucherzentrale mit ihrem Energiepreisatlas, wo die höchsten und niedrigsten Strom- und Gaspreise zu finden sind. In NRW liegen die Stromtarife der Grundversorger um bis zu 25 Prozent über dem Durchschnitt. Ein Wechsel rechnet sich: Dem Vergleichsportal Verivox zufolge spart ein vierköpfiger Haushalt derzeit im bundesweiten Durchschnitt 345 Euro pro Jahr, wenn er von der Grundversorgung zum günstigsten Stromanbieter wechselt. Wer dann noch ein wenig genügsamer mit seinem Strom umgeht, hat noch mehr übrig.

345 Euro

pro Jahr kann eine vierköpfige Familie laut einer aktuellen Erhebung durchschnittlich im Jahr sparen, wenn sie von der Grundversorgung zum günstigsten Stromanbieter wechselt.

Bei anderen Dingen, die so alltäglich sind wie Strom, verhält es sich ähnlich unkompliziert. Die Kontoführungsgebühren oder Dispozinsen bei der Hausbank sollten Anlass sein, die Bank zu wechseln. Eine Kündigung des Handyvertrags führt oft zu einem bedauernden Anruf des Mobilfunkanbieters, der einen unbedingt als Kunde behalten will und ein neues, besseres Angebot vorlegt. Der Kaffee bei der Bäckereikette um die Ecke ist zu teuer, er schmeckt sowieso nicht, die vielen kleinen Kleckerbeträge, die tagtäglich so anfallen, ergeben im Lauf des Jahres schnell eine mittlere dreistellige Summe. Die Stille vor dem Jahreswechsel bietet genau die richtige Atmosphäre, sich klarzumachen, dass das alles vielleicht doch nicht so anstrengend ist.

Wie alle guten Vorsätze könnte dieser Plan dann aber ein entscheidendes Problem haben: dass er ein Plan bleibt. Der Schriftsteller Oscar Wilde schrieb - wie passend: "Gute Vorsätze sind Schecks, auf eine Bank ausgestellt, bei der man kein Konto hat." Je nach Umfrage nehmen sich zwischen der Hälfte und zwei Dritteln der Deutschen etwas für das neue Jahr vor.

Aber - je nach Studie - nur etwa acht Prozent setzen dann auch um, was sie sich überlegt haben. Warum wir gute Vorsätze so schnell verwerfen, beschäftigt Psychologen und Neurowissenschaftler immer wieder. Das bedeute meistens eine dauerhafte Änderung der Gewohnheiten. Hirnforscher übersetzen Gewohnheiten vereinfachend mit "Trampelpfaden", die im Gehirn entstanden sind. Ein Beispiel dafür ist die morgendliche Dusche: Für die gibt es neuronale Bahnen, die sofort nach dem Aufstehen aktiv werden. Niemand, der morgens zu duschen pflegt, muss sich das jeden Tag von Neuem vornehmen. "Gewohnheiten sorgen dafür, dass wir tun, was wir immer schon getan haben", schreiben die US-Psychologen David Neal, Wendy Wood und Jeffrey Quinn, "trotz unserer besten Absichten, es anders zu tun." Während man sich für den Wechsel der Bank oder des Energieversorgers nur einmal anstrengen muss, verlangt das tägliche Sparen Gewohnheit. Nach einem neuen Trampelpfad im Kopf.

Finanzielle Belohnungen bringen Menschen eher dazu, Gewohnheiten zu ändern

Ein guter Anfang wäre ein Haushaltsbuch - ein solches zu führen ist heute einfacher denn je. In den App-Stores von Apple, Google und Co. finden sich Dutzende Handy-Anwendungen, mit denen die private Buchführung so einfach wie möglich wird. Darin steht dann das eigene Guthaben, aufgeteilt nach Einnahmen und Ausgaben für verschiedene Zwecke, beliebig detailliert zu kategorisieren, einfach nach Excel zu exportieren und damit leicht auszuwerten. Die Gewohnheit, an jedem Werktag etwa drei Euro für mittelmäßigen Pappbecher-Kaffee und Kleingebäck auszugeben (60 Euro pro Monat!) wird damit zum Warnhinweis in Form roter Zahlen mit einem Minus davor.

Mal kurz gerechnet: Bei einem Netto-Gehalt von 30 000 Euro im Jahr wären 1500 gesparte Euro schon fünf Prozent. Eine Traum-Rendite in diesen Tagen! Es könnte sogar deutlich einfacher sein, die guten Geld-Vorsätze einzuhalten, als abzunehmen oder kein Sportmuffel mehr zu sein. In zahlreichen Studien haben Psychologen nämlich gezeigt, dass finanzielle Belohnungen Menschen eher dazu brachten, ihre Gewohnheiten zu ändern. Jeder gesparte Euro kann solch eine kleine Belohnung sein.

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