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Versteigerung in New York:Madoff unterm Hammer

Gestreifte Unterhose, gebrauchte Socken und Hauspuschen: Die ehemaligen Habseligkeiten des US-Betrügers Madoff wechseln per Auktion den Besitzer. Die erzielten Preise sind mehr als mau.

Bernard Madoff liebte es gerne plüschig und pompös. Dort ein antiker Schrank, hier eine kitschige Bronzefigur. Bei der Versteigerung seiner ganz privaten Habe kam Erstaunliches zum Vorschein - von der gestreiften Unterhose über benutzte Socken bis zum blauen Nachthemd seiner Frau. Am Ausgefallensten waren sicherlich seine schwarzen Hausschuhe mit rotem Innenfutter und aufgestickten Initialen, US- Schuhgröße 8 1/2 (deutsche Größe 41 bis 42).

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Lebte zwar auf großem Fuß, hat aber "nur" Schuhgröße 8 1/2: Die Habseligkeiten von Bernard Madoff wurden in New York versteigert, unter anderem auch diese Hausschuhe. 

(Foto: AFP)

Madoff hatte die Gutbetuchten in den Vereinigten Staaten um ihre Vermögen gebracht - und sich selbst und seiner Frau damit ein angenehmes Leben ermöglicht. Er zog das größte bekannte Schneeballsystem der Geschichte auf. Erst als in der Wirtschaftskrise kein frisches Geld mehr nachkam, kam der Schwindel ans Licht. Ein Gericht verurteilte Madoff Mitte 2009 zu 150 Jahren Gefängnis. Die Strafe sitzt der Edelganove im Bundesgefängnis der Kleinstadt Butner in North Carolina ab.

Seine ehemaligen Habseligkeiten wurden jetzt in einem New Yorker Hotel ausgebreitet. Dort lauerten die Schnäppchenjäger auf ihre Chance, ein Andenken zu ergattern. 489 Posten waren aufgerufen, die Auktion dauerte mehrere Stunden.

Ein kunstvoll geschmiedetes Kaminset mit zwei Delphinen als Blickfang aus dem 18. Jahrhundert kam auf 2900 Dollar (2100 Euro), ein Teetisch aus Mahagoni brachte 3800 Dollar ein, ein Himmelbett - ausdrücklich ohne Matratze - kostete 2250 Dollar. Daneben lagen Bilderrahmen aus Silber, Zigarrenetuis aus Leder oder Anzüge aus feinsten Stoffen. Zu den Prachtstücken der Auktion zählte ein schwarzer Steinway- Konzertflügel aus dem Jahre 1917, der für 42.000 Dollar einen neuen Besitzer fand. Das Mindestgebot hatte bei lediglich 7000 Dollar gelegen. Auch mehrere Gemälde landeten in der Preisregion eines Mittelklassewagens. Für den kleinen Geldbeutel gab es eine Lampe mit grünem Schirm für schlappe 200 Dollar.

Für die Madoff-Opfer dürften die Preise wie Hohn klingen. Insgesamt sollte die Auktion 1,5 Millionen Dollar einbringen. Angesichts des durch den Ganoven verursachten Schadens von etwa 60 Milliarden Dollar ist das aber nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Eine erste Auktion im vergangenen Jahr, bei der vor allem Schmuck und Uhren weggingen, hatte rund eine Million Dollar eingespielt.

Auf der ganzen Welt ist ein Treuhänder auf der Suche nach den Madoff-Milliarden. Der weitaus größte Teil des Geldes dürfte für immer weg sein, verspielt an der Börse oder verjubelt beim mondänen Lebensstil des Paares Bernard und Ruth. Der Treuhänder hat bislang gerade mal einen kleinen einstelligen Milliardenbetrag zusammenbekommen. Madoffs Puschen reißen es da nicht raus: Das Gebot stand zuletzt bei 1100 Dollar.