Verliebt in Washington Tohuwabohu nach einem Techtelmechtel

Paul Wolfowitz, der als Kämpfer gegen die Korruption zur Weltbank gekommen ist, muss sich Heuchelei vorwerfen lassen. Er soll eine Geliebte aus den Reihen der Bank begünstigt haben.

Von Nikolaus Piper

Paul Wolfowitz ist Präsident der Weltbank. Doch seit US-Präsident George W. Bush vor zwei Jahren seinen früheren stellvertretenden Verteidigungsminister anstelle des liberalen James Wolfensohn an die Spitze der Organisation geschickt hat, sind Wolfowitz und die Bank nicht richtig glücklich miteinander geworden.

Wolfowitz ist Politologe, aber kein Finanzexperte. Er startete als Erstes eine bankintern sehr umstrittene Anti-Korruptions-Kampagne, und er gilt als Architekt des Irak-Krieges, was heute weniger denn je eine Auszeichnung ist.

Und nun kommt noch die Liebe dazu. Schon während seiner Zeit im Pentagon hatte sich der verheiratete Wolfowitz in eine Mitarbeiterin der Weltbank verliebt:

Kommunikationsexpertin

Shaha Riza, eine arabische Frauenrechtlerin, die als Ökonomin und Kommunikationsexpertin für die Beziehungen zu Bürgerrechtsgruppen im Nahen Osten zuständig war.

Nachdem die Beziehung zwischen Wolfowitz und ihr im September 2005 publik geworden war, verließ Riza die Bank, um Interessenkonflikte zu vermeiden - ein Schritt, der völlig in Einklang mit den Statuten der Organisation stand.

Weniger in Ordnung waren allerdings die Details ihres Weggangs, und die brachte jetzt die Washington Post an die Öffentlichkeit - eine Woche vor der Frühjahrstagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds, wenn die gesamte Finanzwelt ohnehin nach Washington blickt.

Weltbank zahlte Gehalt weiter

Shaha Riza war nach ihrem Weggang von der Bank ins amerikanische Außenministerium gewechselt. Allerdings wurde sie dabei nur ausgeliehen. Die Weltbank zahlte ihr Gehalt weiter - und erhöhte es kräftig, von 132.660 Dollar auf 193.590 Dollar, womit sie mindestens zwei der sonst bei Beförderungen üblichen Gehaltsstufen übersprungen hatte.

Und das alles ohne öffentliche Ausschreibung. Kurzzeitig hieß es sogar, Riza verdiene mehr als US-Außenministerin Condoleezza Rice, aber das war eine Ente. Ein Kolumnist der Washington Post hatte beim Gehalt der Ministerin brutto und netto verwechselt.

Doch auch so sorgte die Nachricht für Aufruhr. Die offizielle Interessenvertretung der Weltbank-Mitarbeiter erklärte, man wisse zwar noch nicht genau, wie die Entscheidung über die Beförderung von Riza zustande gekommen sei, sie verletze jedoch auf jeden Fall ,,grob'' die internen Regeln der Bank.

Die Vertretung bedauerte, dass die Zahlen über das Gehalt der Mitarbeiterin an die Öffentlichkeit gekommen seien, und gab gleichzeitig zu erkennen, dass diese wohl stimmen dürften.

Wolfowitz hat Verantwortung übernommen

Wolfowitz hat inzwischen die Verantwortung für die Personalentscheidung übernommen, ohne jedoch einzuräumen, dass sie falsch gewesen sein könnte.

In einer E-Mail an alle Mitarbeiter sicherte er zu, der Verwaltungsrat werde Zugang zu den Fakten bekommen, und zwar so, ,,dass auch die Regeln der Bank über den Anspruch der Mitarbeiter auf Vertraulichkeit eingehalten werden''.

Zudem teilte das Außenministerium mit, Riza arbeite schon seit September 2006 nicht mehr für das Ministerium, sondern für die ,,Foundation for Future'', eine internationale Stiftung, die Bürgerrechtsgruppen im Nahen Osten unterstützt.

Paul Wolfowitz, der als aufrechter Kämpfer gegen die Korruption zur Weltbank gekommen war, muss sich nun vor allem Heuchelei vorwerfen lassen. Es war eine Anti-Korruptions-Organisation namens ,,Government Accountability Project'', die als Erste den Gehaltszettel seiner Freundin an die Presse in Washington verteilt hatte.