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Tricks der Pharmaindustrie:Apotheker empfehlen trotzdem teure Vitamine

Weder Apotheker noch Hersteller warnen vor diesen Gefahren künstlicher Vitamine. Das hat eine Stichprobe des Senders NDR ergeben. Die Reporter wollten wissen, was Apotheken zur Vorbeugung gegen eine Erkältung empfehlen und wie sinnvoll der Rat ist. Das Resultat war ernüchternd.

Pharmalügen NDR

Mit versteckter Kamera hat der NDR die Beratung in Apotheken getestet.

Alle aufgesuchten Apotheker empfahlen ein teures Vitaminpräparat. Auf mögliche Wechselwirkungen zwischen Vitaminpräparaten und Medikamenten wurde ebenfalls nicht eingegangen. Zum Beispiel wirken sich Multivitaminpräparate auf eine Chemotherapie aus. Das gern als leichtes Antidepressivum eingesetzte Johanniskraut beispielsweise schwächt die Wirkung von Herzmedikamenten.

Vitamine in der Nahrung reichen

Eigentlich ist es ganz einfach. Wer gesund ist und sich normal ernährt, benötigt keine Nahrungsergänzungsmittel in Pillenform, also auch keine Vitaminpräparate. Mediziner Riedl warnt, dass zu viele künstliche Vitamine regelmäßig eingenommen gesundheitsschädlich sein können.

Um zum Beispiel die empfohlene Tagesmenge an Vitamin C zu sich zu nehmen, reicht schon eine halbe Paprika aus. Grundsätzlich ist Deutschland bei der Versorgung mit Vitaminen kein Mangelland. Das sehen auch kritische Ernährungsexperten wie Armin Valet von der Hamburger Verbraucherzentrale so. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitaminpräparaten in der Regel für überflüssig.

Nur in besonderen Fällen, bei ernsten Erkrankungen oder einer Schwangerschaft, könnten zusätzliche Vitamine sinnvoll sein, schreibt das BfR. So soll etwa zusätzliche Folsäure in der frühen Schwangerschaft gut für den Embyro sein.

Grundsätzlich aber braucht der Durchschnittsverbraucher keine Multivitaminpräparate. Und der oft suggerierte große Vitaminmangel in der Bevölkerung ist eine Erfindung der Pharmaindustrie.

Hinweis: Die Sendung "Die Tricks der Pharmaindustrie" ist am Montag, den 23. April, um 21 Uhr im NDR-Fernsehen zu sehen - direkt im Anschluss an das Verbrauchermagazin "Markt".

© Süddeutsche.de/jab/lala
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