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Tochtergesellschaften der BayernLB:Kontrollieren oder verkaufen

Gigantischer Umbau: Die krisengeplagte BayernLB verpasst sich eine neue Struktur - künftig wird wohl die Zentrale mehr Macht besitzen.

BayernLB-Chef Michael Kemmer will im weitverzweigten Konzernnetz der Bank künftig stärker durchregieren können. Dies geht aus einer bankinternen Veröffentlichung zum laufenden Restrukturierungsprojekt Herkules hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Darin heißt es unter anderem, man brauche künftig "eine stärkere zentrale Steuerung".

BayernLB, dpa

"Eine stärkere zentrale Steuerung": Die BayernLB wird ihre Töchter künftig wohl stärker beaufsichtigen.

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Die angeschlagene Landesbank, die zurzeit noch mit Tochterunternehmen etwa in Luxemburg, Österreich und Osteuropa am Markt ist, arbeitet in diesen Tagen an einem gigantischen Umbau, im Zuge dessen 5600 der 19.200 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Den Plänen zufolge sollen Beteiligungen, die nicht verkauft werden können, stärker von München aus kontrolliert werden. "Bisher durften einige große Konzerntöchter weitgehend ein Eigenleben führen", berichtet ein Manager des Konzerns. "Damit dürfte es nun vorbei sein."

Modell Unicredit

Vorbild sei die italienische Bank Unicredit, die unter ihrem Chef Alessandro Profumo ein weitverzweigtes Netz von München über Wien nach Osteuropa gespannt habe - und die transeuropäische Bank straff von Mailand aus führe.

Betroffen davon wäre vor allem die von Klagenfurt aus operierende Osteuropa-Bank Hypo Alpe Adria, an der die BayernLB 67 Prozent hält. Politisch brisant an der Tochter: Die BayernLB, die selbst in Deutschland mit Milliardenhilfen gestützt wird, muss ihrer klammen Tochter in Österreich mit Millionengeldern aushelfen. Ein Verkauf der Bank gilt wegen der starken Position der Bank in der wirtschaftlichen Krisenregion Osteuropa zurzeit als kaum machbar. Um einen massiven Umbau aber dürfte die Kärntner Bank nicht herumkommen.

Unter dem Arbeitstitel Herkules arbeiten in München zurzeit 250 Manager in 18 Teilprojekten - in einem davon geht es einzig und allein um die Zukunft der Hypo Alpe Adria. Andere Teilprojekte analysieren die Zukunft von Banktöchtern wie der Deutschen Kreditbank (DKB), der SaarLB oder Budapester MKB Bank. In weiteren Projekten geht es um einzelne Themen wie Mittelstand, Ausland, Immobilien, Personalplanung und Organisation. Geprüft wird alles: Verkauf, Verkleinerung, Umbau. Man sei dabei, die "Kernaktivitäten (...) sowie die Nichtkernaktivitäten zu definieren", berichtet der zuständige Herkules-Projektleiter Benedikt Haas in der Mitarbeiterzeitung.

Schwerpunkt in Bayern

Bis Mitte März soll das Restrukturierungskonzept stehen, dann soll laut Haas die "detaillierte Maßnahmen- und Businessplanung beginnen". Am Dienstag nächster Woche sollen die Ergebnisse der Planungen, an denen auch Berater der Boston Consulting Group beteiligt sind, dem BayernLB-Verwaltungsrat in München vorgelegt werden.

Bislang waren nur die großen Koordinaten des Bankenumbaus bekannt. So hatte BayernLB-Chef Kemmer vor Weihnachten erklärt, dass sich Deutschlands zweitgrößte Landesbank aus dem Auslandsgeschäft verabschieden und ihre Schwerpunkte künftig verstärkt in Bayern, Deutschland sowie in einigen ausgewählten Regionen Europas setzen wird. Gleichzeitig soll das umstrittene Investmentgeschäft künftig wegfallen; das Geschäftsmodell solle auf den Säulen Mittelstand, Großkunden, gewerbliches Immobiliengeschäft und Privatkunden stehen. Details, so hieß es damals, müssten erst noch erarbeitet werden.

Nun ist es wohl nur noch eine Frage von Tagen, bis diese geklärt sind. "Klar ist natürlich, dass Personal dort abgebaut wird, wo Aktivitäten wegfallen oder aufgegeben werden", sagt Haas. So etwa "in den Auslandsniederlassungen oder Einheiten, deren Geschäft deutlich zurückgefahren wird". Mit Spannung dürften Mitarbeiter daher nun auf Neuigkeiten zur künftigen BayernLB warten.