SZ-Serie: Die großen Spekulanten (5) Die Frau, die aus der Kälte kam

Elena Shaftan lässt mit ihren Osteuropa-Fonds die männliche Konkurrenz weit hinter sich - in Sibirien hat sie einst gelernt, sich durchzusetzen.

Von Andreas Oldag

Kein schwerer Brilliantschmuck, keine glitzernde Rolex-Uhr: Elena Shaftan hält nicht viel von den Statussymbolen der Neureichen in der Londoner City, dem Finanzdistrikt. Sie trägt einen dezenten Hosenanzug und sitzt so fast ein wenig unscheinbar in ihrem Büro am Londoner Hyde Park - eine zierliche junge Frau mit auffallend roten Haaren. Doch der zurückhaltende Auftritt täuscht. Messerscharf kommen Worte wie "Umsatzrentabilität", "Cash-flow" und "Kurs-Gewinn-Verhältnis" über ihre Lippen. Sie blinzelt zum Fenster hinaus. Draußen tobt der Verkehr. "Ich liebe diese Stadt", sagt die in Riga geborene Lettin. Dann wechselt sie schnell das Thema. "Ich gehe die Dinge analytisch an", sagt sie. Ihr Englisch hat einen harten, aber durchaus wohlklingenden Akzent.

Die Londoner Börse: "Ich liebe diese Stadt", sagt Fonds-Managerin Elena Shaftan.

(Foto: Foto: dpa)

Die 37-Jährige gehört zu den erfolgreichsten Fonds-Managern an Europas größtem Finanzplatz. Diese Position hat sie mit Investments in den gewinnträchtigen, aber auch riskanten Märkten des Ostens erreicht: Vor fünf Jahren legte sie für die Finanzgesellschaft Jupiter Asset Management den Fonds "Jupiter Emerging European Opportunities" auf. Seitdem erzielte der Fonds, der vor allem mit Aktien osteuropäischer und russischer Unternehmen bestückt ist, eine Wertsteigerung von mehr als 400 Prozent. Er zählt zu den Spitzenreitern im Vergleich zu anderen Osteuropa-Fonds. Inzwischen managt Shaftan zusammen mit einer Kollegin vier weitere Fonds, die auf die Region spezialisiert sind.

"Ich mache meinen Job. Und den so gut wie möglich"

Die konservative britische Tageszeitung Daily Telegraph kürte sie unlängst zur "Super-Frau" der City. Von solchen Attributen will Shaftan allerdings nichts wissen. "Ich mache meinen Job. Und den so gut wie möglich", gibt sie sich bescheiden. Schon gar nicht will sie sich als Ikone der Frauenemanzipation dargestellt sehen. Shaftan weiß, dass dies im Haifischbecken einer von Männern beherrschten Finanzwelt zu falschen Schlüssen führen kann. Auf den einschlägigen Partys von Hedge-Fonds- und Private-Equity-Managern werden erfolgreiche Kolleginnen häufig wie eine Art Wesen von einem anderen Stern begafft oder gerne wegen ihrer eisernen Durchsetzungskraft mit Lady Thatcher verglichen, der früheren Premierministerin. Letzteres ist dann meist wenig schmeichelhaft gemeint.

"Es ist gut, wenn es Wettbewerb gibt. Gerade in der Londoner Finanzbranche will jeder ständig der Beste sein. Doch das Ganze sollte nicht auch noch zu einer geschlechtsspezifischen Frage hochstilisiert werden", meint Shaftan. Damit umreißt die professionelle Spekulantin zugleich ihr Verhältnis zur spekulativen Geldvermehrung. "Mir geht es persönlich nicht um Reichtum. Mich motiviert der Sportsgeist, im Fondsmanagement ganz vorne mitzumischen. Das ist wie beim 100-Meter-Lauf", sagt Shaftan.