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Schuldenkrise und Börsencrash:Angst vor dem Endlos-Trauma

Wer den Euro-Bund zusammenhalten will, braucht einen Retter, der rasch und ohne Rücksichten handeln kann - mit einer tiefen Tasche voller Geld. Nur wer soll das sein? Kein Wunder, dass die Märkte in Aufruhr sind und Banker sagen: Die Stimmung ist schlimm. So schlimm wie in der Lehman-Krise 2008.

Euro gerettet, ab in den Urlaub. So gingen Kanzlerin Angela Merkel und die anderen Teilnehmer des Brüsseler Krisengipfels vor zwei Wochen auseinander. Erleichtert angesichts des vermeintlichen Erfolges und auch ein bisschen stolz. Doch kaum hatte die politische Elite Brüssel und Berlin verlassen, da knallte es erneut an den Finanzmärkten. Die Schuldenkrise in Europa hat ein neues, dramatisches Stadium erreicht. Was war, was kommt?

TV crews film the DAX board at the Frankfurt stock exchange

Auch an der Frankfurter Börse ging es bergab. An den Märkten droht eine Liquiditätskrise.

(Foto: REUTERS)

Märkte in Aufruhr

Nackte Angst hat die Investoren an den Finanzmärkten ergriffen. "Es ist eine Stimmung wie im Herbst 2008", sagt eine Investmentbankerin. Das war das Jahr, in dem die Investmentbank Lehman Brothers pleite ging. Jetzt scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Frankfurter Banker berichten, dass ihre Großkunden alles meiden, was nach Risiko riecht. Wo aber keiner kaufen will, müssen gar nicht viele verkaufen, um die Kurse rutschen zu lassen. Es droht eine Liquiditätskrise, die Märkte könnten einfrieren - wie im Herbst 2008.

Besonders trifft es die Staatsanleihen Spaniens und Italiens. Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter bauen ihre Bestände ab und treiben die Zinsen nach oben, welche die dritt- und die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone auf ihre Staatsanleihen zahlen müssen. Binnen zwei Wochen sind die Renditen Italiens und Spaniens um rund einen Prozentpunkt gestiegen, zeitweise bis auf 6,5 Prozent. Bei rund sieben Prozent flüchteten sich Griechenland, Irland und Portugal unter den Rettungsschirm. Damit ist klar: Italien und Spanien haben sich angesteckt. Es besteht die Gefahr, dass sie sich nicht aus eigener Kraft aus der Schuldenfalle befreien können.

Italien und Spanien brennen

Aber warum misstrauen die Investoren Italien und Spanien gerade jetzt? Aus den beiden Länden selbst gibt es kaum Neues, was den Stimmungswandel erklären könnte. Verändert haben sich die Bedingungen um sie herum: Erstens fürchten Anleger ein deutlich langsameres Wirtschaftswachstum in der Welt. Außerdem hat die wochenlange Diskussion um die Schuldengrenze in den USA Investoren vor Augen geführt, dass die Politik unfähig ist, die Schuldenprobleme mit grundlegenden Reformen anzugehen. Auch Italien und Spanien sprechen Anleger diese Fähigkeit zunehmen ab.

Zweitens machte der jüngste Euro-Rettungspakt den privaten Gläubigern deutlich, wie gefährlich die Staatsschuldenkrise für sie werden kann. Zwar sollen sie nur auf 21 Prozent des Geldes verzichten, das sie Griechenland geliehen haben. Doch das ist womöglich nur der Anfang. Der Banken-Stresstest förderte zutage, welch hohe Summen Europas Banken in Euro-Staatsanleihen investiert haben: 289 Milliarden Euro in Italien, 686 Milliarden Euro in den fünf Krisenländern Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien (PIIGS). Seit der Umschuldung Griechenlands sind die Ausfallrisiken plötzlich real.

Drittens hat der Rettungspakt selbst entscheidende Schwächen: Er räumt zwar dem Hilfsfonds EFSF mehr Macht ein. Doch die Beschlüsse sind nicht ausgearbeitet und schon gar nicht umgesetzt. Die Krisenstaaten brauchen aber schon jetzt jede Woche neues Geld. Außerdem beschlossen die Euro-Staaten keine Aufstockung des Fonds. "Der Fonds hat neue Waffen, aber keine Munition", kommentierte die Citigroup die Pläne.

Die Politik streitet

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso drängt daher auf eine Aufstockung des 440 Milliarden Euro schweren EFSF. Die Regierungen müssten sicherstellen, dass der Fonds "über die Mittel verfügt, um Ansteckungsgefahren zu bekämpfen". Dabei können die Krisenmanager bislang noch nicht einmal über die 440 Milliarden Euro verfügen. Da die Parlamente der letzten Erhöhung noch nicht zugestimmt haben, bleibt das Volumen vorerst auf 255 Milliarden Euro beschränkt. Die Bundesregierung lehnt Barrosos Vorschlag brüsk ab, sie kennt den Widerstand im deutschen Parlament. Da die Politik nicht handlungsfähig ist, springt EZB-Chef Jean-Claude Trichet in die Bresche. Er signalisiert, dass er durchaus bereit ist einzugreifen und Anleihen schlingernder Staaten zu kaufen. Ob er damit auch Italien und Spanien meint, bleibt der Spekulation überlassen. Peinliches Ergebnis der hilflosen Aktion: Verluste an den Börsen soweit das Auge reicht.

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