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Pflegeversicherung:Nicht geförderte Tarife lohnen mehr

In Pflegestufe III müsse laut gesetzlicher Vorgabe nur eine Leistung von mindestens 600 Euro vereinbart sein - "das ist viel zu wenig" heißt es dazu im aktuellen Heft. Schließlich droht Betroffenen eine Versorgungslücke von bis zu 2320 Euro. Dass die Kunden auch nachdem sie pflegebedürftig geworden sind weiterhin einen recht hohen Monatsbeitrag zu zahlen hätten, sei ein großer Nachteil, "den die monatliche Zulage von fünf Euro oft nicht wettmachen kann". Der Vorteil der geförderten Pflege-Police: Um sie zu bekommen, ist keine Gesundheitsprüfung notwendig. Es gibt auch keine Risikozuschläge bei Vorerkrankungen. Damit können auch chronisch Kranke mit hohem Pflegerisiko eine Zusatzversicherung abschließen.

Das Problem daran laut Stiftung Warentest: Wenn viele Kranke diese Verträge abschließen, dürften die Beiträge in Zukunft stärker steigen als in ungeförderten Tarifen. Und: Der Versicherte kann die Leistung oft erst nach fünf Jahren in Anspruch nehmen. Zudem sind Pflegegeldzahlungen bei Demenzerkrankungen häufig nicht ausreichend abgedeckt, weil die Betroffenen körperlich fit sind und daher nicht den gängigen Pflegestufen zugeordnet werden könnten (Pflegestufe Null).

Nach den Prüfungen von Stiftung Warentest lohnen die nicht geförderten Tarife mehr: Wer es sich leisten kann, solle demnach eine Pflegetagegeldversicherung ohne staatliche Zulage abschließen. Am besten schnitt dabei der Vertrag PA der Hanse Merkur ab - er erhielt das Testurteil "sehr gut" (1,3) sowohl für 45-Jährige als auch für 55-Jährige. Schließt ein Kunde mit 55 Jahren diesen Vertrag ab und zahlt 85 Euro monatlich ein, erhält er in den Pflegestufen Null und I zusätzlich monatlich 700 Euro - modellhaft errechnet läge die Versorgungslücke in diesen Pflegestufen zwischen 530 Euro (Pflege zuhause) und 740 Euro (Pflege im Heim). Der Versicherte muss zwar die Monatsbeiträge weiterzahlen, die Leistungen im Tarif der PA der Hanse Merkur seien allerdings so hoch, dass sie diesen Nachteil aufwögen, heißt es.

Ebenfalls "sehr gut" für 45-Jährige wurde das Angebot PZV der Familienversicherung DFV getestet, für 55-Jährige erhielt es das Urteil "gut". Von Kombiprodukten aus staatlich geförderten und nicht geförderten Angeboten, die viele Versicherungen gerne abschließen wollen, rät Stiftung Warentest ab. Demenzkranke seien schlechter abgesichert, Wartezeiten länger, die Beitragsentwicklung ungewiss. Für die Kunden wiege die staatliche Förderung die Nachteile der Zulagentarife oft nicht auf.

© SZ vom 17.04.2013/mahu
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