Kompromiss der Regierungskoalition:Wer 55.000 Euro und mehr verdient, profitiert am meisten

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Nach Berechnungen des Steuerexperten Frank Hechtner von der Freien Universität Berlin wird der Durchschnittsverdiener mit einem zu versteuernden Einkommen von 25.000 Euro im ersten Jahr um 45 Euro entlastet. Mit der zweiten Stufe sinkt seine Steuerlast dann um weitere 95 Euro. Seine Steuersenkung beträgt also insgesamt etwa 140 Euro im Jahr. Wer 55.000 Euro oder mehr zu versteuern hat, profitiert absolut betrachtet am meisten von der Reform. Seine Steuerentlastung beträgt dann nach der zweiten Stufe insgesamt 363 Euro im Jahr. Weil die Reichensteuer ausgeklammert ist, nimmt dieser Betrag auch mit steigendem Einkommen nicht mehr zu.

Kompromiss der Regierungskoalition: Wer wie entlastet wird - zwei Beispielrechnungen.
Daten: Karl-Bräuer-Institut des Bundes der Steuerzahler

Wer wie entlastet wird - zwei Beispielrechnungen.

Daten: Karl-Bräuer-Institut des Bundes der Steuerzahler

(Foto: Bund der Steuerzahler Deutschland e.V.)

Prozentual betrachtet werden die Leute mit den geringen Einkommen am höchsten entlastet. Wer beispielsweise heutzutage 8114 Euro Jahresverdienst zu versteuern hat, erhält nach Hechtners Darstellung eine Steuersenkung von 100 Prozent. Er muss also keine Steuer mehr zahlen. Das klingt imposant. In Euro und Cent stellt sich das weniger spektakulär dar, denn der Geringverdiener zahlte in dem Beispielfall bislang nur einen Betrag von monatlich 1,33 Euro.

Die Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen bezeichnet die Koalition als ein Ziel. Sie begründet ihre Pläne auch damit, die schwächelnde Wirtschaft ankurbeln zu wollen. Doch hier dürfte die Wirkung eher bescheiden sein. Selbst wenn die Bundesbürger die sechs Milliarden Euro Steuersenkungen vollständig ausgeben: Bei einem Bruttoinlandsprodukt von mehr als 2300 Milliarden Euro im Jahr ist dieser Betrag nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Zu einem nennenswerten Anstieg des Wachstums dürfte die Entlastung jedenfalls nicht führen.

Weil die Bundesländer gegen die Steuersenkungen sind, will der Bund einen Teil der Entlastungen alleine tragen und so die notwendige Zustimmung im Bundesrat gewinnen. Einen Ausgleich dürften die Länder bei der Verteilung der Mehrwertsteuer erhalten. Nicht übernehmen will der Bund jedoch die Mindereinnahmen, die den Ländern durch Anhebung des Grundfreibetrags entstehen. Diese komme ohnehin, weil 2013 das Existenzminimum steige, heißt es.

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