Immobilienfonds Hotel Adlon Aufstand der Betuchten

Wie ein Autokrat herrschte Anno August Jagdfeld bislang über seinen Immobilienfonds für das Berliner Hotel Adlon. Nun begehren die Anleger auf.

Von Varinia Bernau

Einer, der Revolutionen anzettelt, sieht anders aus. Doch im Grunde genommen tut der Herr in Anzug und Krawatte genau dies, als er sich nun von den mit blassgrünem Samt bezogenen Stühlen im Saal erhebt. "Es wird langsam schwer, Sie in Ihrer Arroganz zu ertragen", schleudert er empor zum Podest. Dort thront, unter zwei üppig verzierten Kronleuchtern, Anno August Jagdfeld. Sein Gesicht bleibt reglos.

"Es wird langsam schwer, Sie in Ihrer Arroganz zu ertragen"

(Foto: Foto: ddp)

Der Immobilienunternehmer Jagdfeld ist an diesem sonnigen Spätsommertag ins Hotel Adlon gekommen, um die Anleger seines Adlon Fundus Fonds 31 wieder einmal zu vertrösten. Auf 3,1 Millionen Euro Miete sollen sie verzichten - und damit erstmals auch auf Ausschüttungen aus dem Immobilienfonds um das Luxushotel am Brandenburger Tor.

Lange Geschichte an Misserfolgen

Ein Entgegenkommen soll das sein an die Restaurants und das Spa auf der Südseite, bei denen es wegen Bauarbeiten nicht so gut lief. Das Pikante: Die Gastronomiebetriebe und die Wellnessanlage, die nun keine Pacht zahlen sollen, werden ebenso wie das lange lärmende Bauunternehmen von Jagdfelds Familie geführt. Es ist nicht das erste Mal, dass der Fondsinitiator Jagdfeld seine 5000 Anleger vertröstet. Und immer größer wird bei vielen von ihnen die Sorge, dass es auch nicht das letzte Mal gewesen sein wird.

Fundus-Fonds haben eine lange Geschichte an Misserfolgen: Ob Einkaufszentrum in Hamburg, Bürokomplex in Berlin, Geschäftshaus in Leipzig, das Grand Hotel Heiligendamm - oder das Adlon. Vier Prozent jährliche Ausschüttung, das war eines der Versprechen, mit dem Jagdfeld Mitte der neunziger Jahre für seinen Fonds 31 warb.

Ein weiteres: Mit den 223 Millionen Euro, die er bei privaten Anlegern einsammelte, sollte jener Prachtbau wiedererstehen, den sich einst Kaiser Wilhelm II. für seine Residenzstadt gewünscht hatte und der zum Ende des Zweiten Weltkriegs bei einem Brand fast völlig zerstört wurde. Diese Vision betörte Gutverdiener wie Ärzte ebenso wie Anwälte; und die Geldanlage versprach auch noch Steuervorteile.

Nun, mehr als zehn Jahre später, ist der Traum geplatzt: Die Ausschüttungen waren bereits zwei Jahre nach der Hoteleröffnung im Jahr 1997 nur noch halb so hoch wie versprochen. Und sie werden in absehbarer Zeit wohl auch nicht steigen. Denn gefüllt wird der Topf fast nur mit einer vom Adlon-Betreiber Kempinski fest vereinbarten Jahrespacht von zwölf Millionen Euro. Abfließen werden allein in diesem Jahr acht Millionen Euro an Zinsen für einen Kredit, den Jagdfeld einst aufnehmen ließ, um das Luxushotel zu erweitern. Jener Anbau an der Südseite des Adlon, so sein Versprechen, würde weitere Erträge bringen. Doch nun bringt er Einbußen: 3,1 Millionen Euro an Mietausstand.

"Wenn jemand murrt, wird Kaffee und Kuchen spendiert"

Die vielen Männer, mit schweren Aktentaschen und ebenso schwerem Aftershave beladen, die Frauen, dezent gepudert, zu Perlenkette und Seidenbluse - wie haben sie sich alle nur so täuschen lassen können? Wenn der Verkäufer elegant daher kommt, zu Zahlen lateinische Sinnsprüche reicht, dann werden wohl auch jene vertrauensselig, die sich eigentlich mit Geschäften auskennen. Jagdfeld spricht ruhig, manchmal zu ruhig für einige im Saal, denen ein braunes Hörgerät hinterm Ohr klemmt. Dann rufen sie: "Lauter, lauter!" Unwirsch wirken sie, so als wollten sie nicht dulden, dass man ihnen auch nur ein Detail vorenthält.

"Immer wenn jemand murrt, wird Kaffee und Kuchen spendiert", erzählt einer, der schon bei vielen Versammlungen dabei war. Auch jetzt preist Jagdfeld die edlen Restaurants des Hotels. Die solle sich nun wirklich niemand entgehen lassen. Sicher, es sind auch einige hier im Saal, die glaubten, mit einem Fondsanteil würden sie sich in einen elitären Club einkaufen. Und diese Anleger halten ihre Empörung nicht zurück darüber, dass sie auf der Anreise in einem Prospekt lesen mussten, für welchen Spottpreis ein Automobilclub seinen Mitgliedern ein Wochenende im Adlon gerade offeriert.

Die Investoren werden sich ihrer eigenen Ohnmacht immer stärker bewusst, je länger Jagdfeld ihnen Versprechungen macht. "Viele haben schon resigniert, die kommen gar nicht mehr", sagt einer. Auch jetzt sind nur 500 der 5000 Anleger anwesend. Und die Reihen lichten sich, je länger sich die Versammlung zieht. Die Mehrheit der Anleger lässt sich bei den Abstimmungen von einem Treuhänder vertreten, der selbst in einer von Jagdfelds Gesellschaften angestellt ist. Und so stimmt auch an diesem Tag zwar eine große Mehrheit im Saal gegen den Pachtverzicht - und doch ist die Einbuße letztlich beschlossene Sache. Mit der Zustimmung des Treuhänders ist Jagdfeld die Zustimmung der Mehrheit sicher.

Kritiker halten ihn auch deshalb für einen Alleinherrscher über den Fonds. Er selbst hält sich für einen Anpacker. "Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, dann muss ich es herausholen und kann nicht erst rumlaufen, um Hilfe zu suchen", entgegnet er auf die Frage, warum nie nach anderen Mietern, anderen Baufirmen, anderen Ausstattern gesucht wurde - und die Aufträge stets an Unternehmen gingen, an denen Jagdfeld beteiligt ist. Viele Antworten bleibt er seinen Anlegern schuldig, vermutlich ist das der Grund, dass die Empörung ihm nun derart stark entgegen schwappt. Vertrauen ist eine wertvolle Währung und vielen im Saal wohl wichtiger als die Rendite.

Dass der Widerstand wächst, lässt sich auch an der Zahl der Visitenkarten ablesen, die Thomas Fritsch an diesem Tag zugesteckt bekommt. Der Anwalt sitzt in einer der vorderen Reihen - für 50 Anleger, die insgesamt zwölf Millionen Euro in den Fonds investiert haben. Schutzgemeinschaft nennen sie sich. Ihr Ziel ist es, Licht ins Dickicht der Jagdfeldschen Verflechtungen zu bringen. Wenn sie zehn Prozent der Gesellschafterstimmen zusammenbringen, könnten sie zusätzliche Versammlungen einfordern - und damit Rechenschaft vom geschäftsführenden Fondsinitiator. "Damit könnten wir ihn schon gehörig nerven", sagt Fritsch. Für den Immobilienfonds, in dem Jagdfeld bislang fast alles durchwinken lassen konnte, wäre das eine Revolution.