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Giesecke & Devrient druckt Banknoten:In Gmund sucht man Paletten mit Mark und Drachme vergebens

Sicher, die Rückkehr von Staaten zu alten Währungen würde neue Aufträge für die Geldmacher bedeuten, aber das ist ein Thema für Akademien. Und was, wenn die Inflation steigt? Wenn die Zentralbanken die "Notenpresse anwerfen", wie das immer so schön heißt? Laufen dann die Maschinen in Gmund heiß?

Stoff, aus dem Träume sind: Banknotenpapier mit Sicherheitsstreifen.

(Foto: Mathias Woltmann)

Das mit der Notenpresse ist in diesem Fall Metaphorik, und kein Umsatzbringer. Es ändert sich in der Papierfabrik am Tegernsee nämlich erstmal überhaupt nichts, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) den Mindestreservesatz senkt oder einen ihrer berüchtigten "Tender" auswirft. Mathematisch wird die Geldmenge so erhöht, das geschieht aber in erster Linie elektronisch auf den Konten der Privatbanken, die sich billig Geld der Notenbanken leihen. Der Bargeldumlauf wächst nicht mit der Geldmenge.

Schade also für Giesecke & Devrient und all die anderen Gelddrucker dieser Welt: Expansive Geldpolitik bringt ihnen nichts. Obwohl die EZB seit einiger Zeit eifrig Geld in den Markt pumpt und sogar von der "Dicken Bertha" spricht, meldet Giesecke & Devrient einen Gewinneinbruch: um 30 Prozent auf nur noch 52 Millionen Euro, und das bei einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro. Schuld daran seien den Erklärungen des Managements zufolge der hohe Baumwollpreis und die politischen Aufstände in arabischen Staaten. Deren Zentralbanken bestellten weniger Geld. Was gut ist für die Demokratie, kann schlecht für die Auftragslage sein.

Schlebusch trägt das graue Haar gescheitelt. Er hat einen Anzug jener Leute an, die sich mit Geld auskennen. Doch er hat es satt, jedem die Krise zu erklären: "Ich produziere Banknoten. Ich bin kein Banker." Dieser Mensch ist kein Zahlenknecht, sondern Ingenieur - das merkt man, sobald er das Verwaltungsgebäude verlässt und die Fabrikhallen nebenan betritt. Schlebusch wuselt von einer meterhohen Maschine zur nächsten. Begeistert erklärt er, wie hier Papier gewälzt, mit Metallfäden durchzogen und gerollt wird. Dabei schüttelt er immer wieder Arbeitern im Blaumann die Hände.

Die Firmenchefs verkehren zwar mit Zentralbankern, den Herren der Zinsen, sie verstehen Giesecke & Devrient aber immer noch als Familienbetrieb. Das Geschäft leitet Karsten Ottenberg, ein gelernter Physiker. Eigentümerin ist Verena von Mitschke-Collande, die Tochter des Patriarchen Siegfried Otto, der den Betrieb nach dem Krieg zur Weltfirma ausbaute. Sie dürfte eine der reichsten Frauen des Landes sein.

An einer Maschine zögert Schlebusch. In ihre Rolle sind Bilder gestanzt, dasselbe Motiv, wieder und wieder im Abstand einer Scheinlänge. In der Struktur des Siebes verdichten sich Baumwollfasern, im Papier hinterlässt das ein 3D-ähnliches Bild. Das ist das Wasserzeichen. Schlebusch lotst rasch weiter: "Das dürfen Sie nicht sehen!"