bedeckt München 18°

Betrugsfall Madoff:Überforderte Aufsicht

Peinliches Geständnis der SEC: Die US-Börsenaufsicht hat offenbar schon länger von dem betrügerischen Treiben des Brokers Bernard Madoff gewusst - gehandelt wurde jedoch nicht.

Der Chef der US-Börsenaufsicht SEC hat im milliardenschweren Betrugsskandal um den Investor Bernard Madoff Fehler eingeräumt. Mindestens seit 1999 sei mehreren konkreten Vorwürfen gegen den New Yorker Broker nicht nachgegangen worden, räumte Cox ein. Er sei "tief besorgt" darüber. Nun sollen unter anderem alle Kontakte von SEC-Mitarbeitern zu Madoff und seiner Familie geprüft werden.

Broker Bernard Madoff hat zahlreiche Anleger um viel Geld gebracht. Volumen seines Schneeball-Systems: 50 MIlliarden Dollar.

(Foto: Foto: Reuters)

Gleichzeitig kritisierte SEC-Chef Christopher Cox seine Mitarbeiter in ungewöhnlich scharfer Form. Diese hätten es im vergangenen Jahrzehnt viele Male versäumt, trotz glaubhafter Anschuldigungen Hinweisen über ein Fehlverhalten des früheren Nasdaq-Verwaltungsratschefs gründlich nachzugehen, sagte Cox. Der Vorgang soll nun intern untersucht werden. Außerdem werden alle Mitarbeiter, die bislang mit Madoffs Unternehmen befasst waren, von der laufenden Untersuchung abgezogen.

Pikante Heirat

Bereits 1999 wurde die Behörde von einem Börsenaufseher in Boston, Harry Markopolos, gewarnt, bei Madoffs Gewinnen könne etwas nicht legal sein. Auch spätere Warnungen führten jedoch nicht zur Einleitung einer formellen Untersuchung, bei der Madoff unter Eid hätte aussagen müssen, wie Cox einräumte. Vielmehr habe sich die Aufsichtsbehörde bei Nachfragen auf von Madoff freiwillig vorgelegte Zahlen verlassen.

Zugleich wurde bekannt, dass Madoffs Nichte im vergangenen Jahr einen ehemaligen ranghohen SEC-Beamten geheiratet hat. Eric Swanson, so der Name des Mannes, sei 1999 und 2004 an den Überprüfungen von Handels-Aktivitäten von Madoffs Firma beteiligt gewesen, sagte die Chefin der SEC-Inspektionsabteilung, Lori Richards, dem Wall Street Journal. Swanson hatte die SEC im Jahr 2006 verlassen. Nach Angaben eines Swanson-Vertreters begann dessen Beziehung mit Madoffs Nichte ebenfalls 2006, schrieb die Zeitung. Shana Madoff arbeitete in Madoffs Wall-Street-Firma als Compliance-Juristin - war also für die Einhaltung der Gesetze und Vorschriften zuständig.

SEC kommt nicht aus der Kritik

Die SEC steht seit dem Ausbruch der Finanzkrise immer wieder in der Kritik. Die Aufseher erwiesen sich in vielen Fällen als nahezu ahnungslos. Im März, wenige Tage vor dem Zusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns, sagte Cox, die SEC sei mit der Kapitaldecke der Investmentbanken sehr zufrieden. Bear Stearns wurde kurz darauf in einer Notaktion mit einer staatlichen Kreditgarantie von 29 Milliarden Dollar an den Konkurrenten JPMorgan Chase verkauft.

Unterdessen ist der Anlage-Betrüger auf der Suche nach Bürgen, um einer Untersuchungshaft zu entgehen. Aus Gerichtsakten geht hervor, dass er noch nicht alle Bedingungen erfüllt hat, um gegen Kaution auf freiem Fuß bleiben zu können. Nach seiner Verhaftung am Donnerstag war der 70-Jährige gegen zehn Millionen Dollar Kaution wieder freigekommen. Allerdings benötigt er drei Bürgen, die für die Kaution mit haften. Sollte er diese nicht finde, könnte die Anklage seine Inhaftierung beantragen.

Der 70-jährige Madoff selbst soll das Volumen des Schneeballsystems auf 50 Milliarden Dollar beziffert haben. Das wäre der mit Abstand größte Betrugsfall der Geschichte. Die Behörden arbeiten noch daran, das Ausmaß des Schadens festzustellen.

Beim Schneeballprinzip werden die versprochenen hohen Zinsen mit dem Geld immer neuer Investoren bezahlt. Dem Wall Street Journal zufolge versuchte Madoff noch Anfang Dezember, neue Kunden zu finden. Er habe seit Mitte November auch eine der reichsten amerikanischen Familien umworben, die Pritzkers, die unter anderem die Hyatt-Hotelkette kontrollieren. Madoffs Betrugssystem soll Anfang Dezember aus den Fugen geraten sein, als einer der Investoren seine sieben Milliarden Dollar zurückhaben wollte. Um wen es sich dabei handelt, wurde bisher nicht bekannt.

© sueddeutsche.de/dpa/AP/Reuters/tob/hgn
Zur SZ-Startseite