Bernd Förtsch Die neuen Geschäfte des Mr. Dausend

So wirkt Förtsch selbst mit beim Musterdepot des Deutschen Anleger Fernsehens. Redakteure des Aktionärs werden dort mehr oder weniger regelmäßig zugeschaltet. Zuschauer können ihre Aufträge gleich bei Flatex plazieren. Und Flatex wiederum stützte seinen Werbeslogan "Deutschlands billigster Online-Broker" auf einen Test des Aktionärs.

Die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs beanstandete dies - unter anderem deshalb, weil hier der falsche Eindruck erweckt werde, es handele sich um eine unabhängige Untersuchung. Nun wirbt Flatex mit dem Slogan "Deutschlands Billig-Online-Broker".

Nur Durchschnitt bei der Fondsbewertung

Gegenwind bekommt Förtsch derzeit aber nicht nur von Wettbewerbshütern. Auch Werner Hedrich, Direktor des in der Branche stark beachteten Fondsanalysehauses Morningstar Deutschland, nahm kürzlich den Vermögensaufbau-Fonds unter die Lupe - und kam dabei zu einem vernichtenden Ergebnis für den Vorzeigefonds des Kulmbachers: Förtsch, so der Fondsanalyst, "fällt mit riskanten Wetten auf die Nase".

Hedrich kritisiert die seiner Ansicht nach "mitunter halsbrecherische Anlagestrategie des Fondsberaters". So habe Förtsch zum Beispiel Aktien des japanischen Internet-Unternehmens Livedoor nachgekauft, als der Vorstand wegen des Verdachts auf Bilanzbetrug und Kursmanipulation bereits festgenommen worden sei.

Die Risikokennzahlen zeigten, dass der Vermögensaufbau-Fonds wesentlich riskanter sei "als vergleichbare globale Nebenwertportfolios". Und auch die Wertentwicklung mit einem Minus von 3,8 Prozent im vergangenen Jahr sei angesichts der Kursrally an den internationalen Aktienmärkten äußerst schlecht.

Der Fonds und die Sterne

Nach Ansicht von Hedrich steht dies in einem auffälligen Gegensatz zu der leistungsabhängigen Vergütung bei dem Fonds. Normalerweise fallen solche Vergütungen an, wenn ein bestimmter Vergleichsindex überschritten wird. Förtsch könne aber schon kassieren, wenn die Aktienkurse zulegen. "Aber was", fragt Hedrich, "kann Herr Förtsch bitte dafür, dass Börsen steigen."

Der Kulmbacher Fondsberater sieht dies natürlich ganz anders: Die Vergütung bewege sich "im üblichen Rahmen". Bei der Wertentwicklung dürfe man nicht nur auf das Jahr 2006 schauen, sondern auf die Drei-Jahres-Performance. Und die könne sich mit plus 72,1 Prozent sehen lassen.

Die Ratingagentur Morningstar hat dem Fonds trotzdem nur drei von fünf möglichen Sternen in der November-Bewertung gegeben. Das heißt, der Fonds ist nach der quantitativen Benotung des Analysehauses gerade einmal durchschnittlich.

Trotzdem warb die Homepage des VermögensaufbauFonds noch an diesem Montag mit dem Hinweis: Mit drei Sternen von Morningstar zähle der Vermögensaufbau-Fonds "zu den besten in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Investmentfonds".

Nachdem die SZ darauf aufmerksam machte, hat das Unternehmen seine Homepage geändert.