Bergbau-Unternehmen Bre-X Goldfieber - total außer Kontrolle

Dreiste Betrügereien, unendliche Gier, mysteriöse Todesfälle und verschwundene Milliarden - der größte Goldminenbetrug der Geschichte macht nochmals Schlagzeilen.

Von Bernadette Calonego, Vancouver

Die Nachricht ging um die Welt: 1995 posaunte die kanadische Firma Bre-X hinaus, sie habe auf der Insel Borneo das weltweit größte Goldvorkommen entdeckt - mindestens 70 Millionen Feinunzen im Wert von 24 Milliarden Dollar.

Bre-X - das stand für pure Gier.

(Foto: Screenshot: "The Globe and Mail")

Zwei Jahre später flog auf, dass es sich um einen riesigen Schwindel gehandelt hatte. Erst jetzt soll die gerichtliche Aufarbeitung des Skandals zumindest ein vorläufiges Ende finden. Gegen einen Topmanager der früher börsennotierten Bre-X Minerals Ltd. soll am 31. Juli in Toronto ein Urteil wegen mutmaßlicher Insidervergehen fallen.

Der angeklagte Geologe John Felderhof ist der einzige Überlebende der drei wichtigsten Führungsleute bei Bre-X, die damals gutmeinende Anleger mit ihren Meldungen über ein gigantisches Goldvorkommen in einen Rausch versetzt hatten. Felderhof lebt auf Bali und hat am Verfahren, das gegen ihn im Oktober 2000 eröffnet wurde, nie persönlich teilgenommen. Dem Vernehmen nach umfassen die Dokumente und Transkripte der juristischen Untersuchungen mehr als 15.000 Seiten.

Aus dem Helikopter gestürzt

Der Traum vom Reichtum endete mit einem Paukenschlag. Der Filippino Michael de Guzman, Explorationsmanager und Felderhofs Freund, kam nach der Enthüllung, dass die Goldproben gefälscht worden waren, unter mysteriösen Umständen ums Leben: Er fiel aus einem fliegenden Hubschrauber in den Urwald Borneos.

Seine Leiche wurde fünf Tage später entdeckt. Der offizielle Befund war Selbstmord. Manche Experten zweifelten heftig daran. David Walsh, der Präsident der Firma Bre-X, deren Marktkapitalisierung kurz vor dem bösen Ende an der Börse von Toronto auf umgerechnet über vier Milliarden Euro hochgeschnellt war, starb 1998 auf den Bahamas an einer Gehirnblutung.

Felderhof könnte mit einem milden Urteil davonkommen. Er glaubte, dass es im indonesischen Busang-Gebiet ein vielversprechendes Goldpotential gab und überwachte die Exploration vor Ort, während Walsh Kapital in Nordamerika auftrieb. Die beiden konnten den früheren Präsidenten der indonesischen Minenvereinigung vom Potential des Geländes überzeugen.

Einst das Wunderkind

Der Markt begann aufzuhorchen. Es dauerte nicht lange, bis Busang in der Finanzwelt als eines der größten Goldvorkommen der Welt galt. Der Kurs der Aktien von Bre-X stieg in kurzer Zeit von wenigen Cents auf 280 Kanadische Dollar (etwa 200 Euro).

Felderhof, damals Bre-X-Vizepräsident, sackte Millionen ein und investierte sie ein Feriensiedlungen auf den Cayman-Inseln. Doch im Herbst 1996 häuften sich schlechte Meldungen um Bre-X: Das Unternehmen in Busang musste auf Indonesiens Initiative eine Partnerschaft mit dem amerikanischen Minenkonzern Freeport-McMoran eingehen. Freeport sammelte nun selber Bohrproben, die sich als jämmerlich schlecht herausstellten.

Wenige Tage später stürzte Guzman, der verantwortliche Explorationsmanager von Busang, von einem Hubschrauber 250 Meter in die Tiefe. Experten, die von der Familie de Guzman beauftragt worden waren, behaupteten später, Guzman sei gefoltert und umgebracht worden.

Im Mai 1997 entpuppte sich der größte Goldfund der Welt als der möglicherweise größte Schwindel im Bergbau-Geschäft. Wie er genau zustande kam, wurde nie aufgedeckt. Unabhängige Fachleute vermuteten damals, dass die Bohrproben auf ihrem Weg ins Labor irgendwo Zwischenhalt machten, wo ihnen jemand Gold beimischte - jemand, der die Eigenheiten des Busang-Geländes sehr gut gekannt haben musste.

Gold-Doping für den Boden

Felderhof behauptete stets, er habe nichts von dem Betrug gewusst. Obwohl die kanadische Polizei in dem Fall ermittelt hatte, konnte sie nicht genug Beweise sammeln, um jemanden zu verhaften.

In Toronto ist Felderhof, der heute mit seiner dritten Ehefrau auf Bali lebt und ein Export-Import-Geschäft führt, nicht der Fälschung von Bohrproben angeklagt. Die kanadische Börsenaufsicht wirft ihm vielmehr Insidervergehen vor. Er soll auch Aktien im Wert von 58 Millionen Euro verkauft haben, während er Informationen nicht öffentlich gemacht habe. Falls er verurteilt wird, droht ihm unter anderem eine Buße von bis zu 700.000 Euro und zwei Jahre Gefängnis.

Felderhof wird auch in einer Sammelklage ehemaliger Bre-X-Investoren genannt. "Wer ist wirklich schuldig?" zitiert die Zeitung The Calgary Herald einen der betroffenen Anleger, den Arzt Donald Carom: "Ich glaube nicht, dass man je die Antwort erhalten wird."