Amerikanische Notenbank senkt Prognosen Langsames Wirtschaftswachstum frustriert Bernanke

Es geht nur langsam aufwärts mit der Wirtschaft in den USA: Notenbankchef Bernanke und die Fed bleiben pessimistisch, was die Konjunkturaussichten und den Arbeitsmarkt anbelangt - und senken ihre Wachstumsprognose. Besonders die Schuldenkrise in Europa macht der Fed Sorgen.

Die US-Notenbank bleibt trotz einiger zaghafter Anzeichen einer konjunkturellen Belebung pessimistisch. Notenbankchef Ben Bernanke bezeichnete das Wirtschaftswachstum des Landes als "frustrierend langsam". Die Federal Reserve (Fed) rechne damit, dass sich die Wirtschaftstätigkeit und die Lage am Arbeitsmarkt in den kommenden zwei Jahren nach und nach verbessern werden, allerdings ganz langsam, sagte Bernanke.

US-Notenbankchef Bernanke rechnet mit einem langsamen Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten.

(Foto: REUTERS)

Vor allem die Lage am Arbeitsmarkt und auf den Immobilienmärkten sei weiterhin alles andere als rosig, erklärte die Fed nach einer Sitzung des für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses (FOMC) in Washington. Zwar habe die US-Wirtschaft im dritten Quartal an Stärke zugelegt, allerdings bleibe die Konjunktur auf dünnem Eis. Auch die Krise der europäischen Währungsunion bleibe ein Risikofaktor, der genau beobachtet werden müsse.

Zuvor hatte die Fed ihre Wachstumsprognose zum dritten Mal in diesem Jahr gesenkt - und zwar deutlich. Derzeit erwartet die Notenbank für das laufende Jahr nur noch ein Wachstum zwischen 1,6 und 1,7 Prozent. Im Juni hatte die Fed noch von 2,7 bis 2,9 Prozent gesprochen. Für 2012 rechnet sie mit einem Wachstum von 2,5 bis 2,9 Prozent, während sie zuvor noch 3,3 bis 3,7 Prozent prognostiziert hatte.

Bernanke führte die Korrekturen zum Teil auf "unglückliche" Faktoren zurück. Dämpfend hätten sich wahrscheinlich das Erdbeben in Japan, die Ölpreise und insbesondere die Eurokrise ausgewirkt. "Leider können wir uns nicht von Europa absondern", sagte er. Die Schuldenkrise könnte negative Effekte auf das Vertrauen und das Wachstum haben, sagte er. Wie zuvor auch schon US-Präsident Barack Obama sprach sich Bernanke für eine rasche Umsetzung der jüngsten EU-Gipfelbeschlüsse zur Rettung Griechenlands aus. Die Fed werde die weiteren Entwicklungen in Europa genau verfolgen.

Obwohl die Konjunktur seit Juli angezogen habe, gebe es weiter "bedeutsame Abwärtsrisiken", hieß es in einem Kommentar des Offenmarktausschusses zu der Zinsentscheidung. Ein Grund sei die Anspannung an den globalen Finanzmärkten. Entsprechend langsam werde auch die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten sinken. Die Arbeitslosenquote wird demnach im nächsten Jahr zwischen 8,5 und 8,7 Prozent liegen. Zuvor war die Notenbank noch von einem Rückgang auf bis zu 7,8 Prozent ausgegangen. Mit einem solchen Wert rechnet sie nunmehr erst für 2013. Derzeit liegt die Rate bei 9,1 Prozent.

An ihrer Niedrigzinspolitik hält die Notenbank fest. Die Spanne für den Leitzins bleibt nach einer Entscheidung des Fed-Offenmarktausschusses zwischen null und 0,25 Prozent. Bereits im August hatte die Fed angekündigt, mindestens bis Mitte 2013 von einer Erhöhung abzusehen. Der Leitzins liegt bereits seit fast drei Jahren auf einem Rekordtief. Die Fed hatte ihn während der globalen Finanzkrise im Dezember 2008 auf knapp über null Prozent gesenkt, nachdem er 2007 noch mehr als 5 Prozent betragen hatte.

Fed verzichtet zunächst auf Stützungsmaßnahmen

Angesichts des stärkeren US-Wirtschaftswachstums von Juli bis September will die Notenbank zunächst auf weitere geldpolitische Maßnahmen zur Unterstützung der Konjunktur verzichten werde. Sollte die wirtschaftliche Erholung einbrechen, sei man jederzeit zu weiteren Stützungsmaßnahmen bereit, hieß es.

Die Angst vor einer neuen Rezession hatte sich in den USA zuletzt dank neuer Konjunkturdaten etwas gelegt. Die Wirtschaft wuchs zwischen Juli und September aufs Jahr hochgerechnet um 2,5 Prozent und damit so schnell wie seit einem Jahr nicht mehr.

Trotz der pessimistischen Prognosen der Notenbank haben die US-Börsen nach zwei Handelstagen mit deutlichen Verlusten am Mittwoch spürbar zugelegt. Auftrieb kam einerseits durch den überraschend starken Beschäftigungsanstieg im Privatsektor, den der Arbeitsmarkt-Dienstleister ADP bekanntgegeben hatte. Die Daten gelten als wichtiger Indikator für den monatlichen Arbeitsmarktbericht, der am Freitag veröffentlicht wird. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial schloss mit einem Plus von 1,53 Prozent auf 11.836,04 Punkte. Der S&P 500 rückte um 1,61 Prozent auf 1237,90 Punkte vor.