Wikipedia-Gründer Jimmy Wales:"Eine offene Gesellschaft braucht offene Institutionen"

Lesezeit: 2 min

Der Suchdienst von Google bekommt Konkurrenz. Jimmy Wales, Gründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia, will noch in diesem Jahr "Wikia Search" starten. Jeder Internet-Nutzer kann mitmachen, nur bestimmte Qualitätsstandards müssen stimmen.

Nikolaus Piper

SZ: Braucht die Welt wirklich eine weitere Suchmaschine?

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales: "Wiki" bedeutet in der Sprache der polynesischen Ureinwohner von Hawaii "schnell". Wikipedia, die schnelle Internet-Enzyklopädie, bei der jeder mitmachen kann, ist die wesentliche Erfindung des amerikanischen Internet-Pioniers Jimmy Wales. Von 2003 bis 2006 leitete er die gemeinnützige Wikipedia-Stiftung, die die Enzyklopädie herausgibt. 2004 gründete er in San Mateo (Kalifornien) außerdem das gewinnorientierte Internet-Portal Wikia, das jetzt die Suchmaschine Wikia Search betreiben soll. Wales wurde 1966 in Alabama geboren, er studierte Finanzwissenschaften und arbeitete als Händler an der Terminbörse von Chicago. Bereits 1996 gründete er seine erste Internet-Firma. Wales lebt mit Frau und Tochter in Florida.

"Wiki" bedeutet in der Sprache der polynesischen Ureinwohner von Hawaii "schnell". Wikipedia, die schnelle Internet-Enzyklopädie, bei der jeder mitmachen kann, ist die wesentliche Erfindung des amerikanischen Internet-Pioniers Jimmy Wales. Von 2003 bis 2006 leitete er die gemeinnützige Wikipedia-Stiftung, die die Enzyklopädie herausgibt. 2004 gründete er in San Mateo (Kalifornien) außerdem das gewinnorientierte Internet-Portal Wikia, das jetzt die Suchmaschine Wikia Search betreiben soll. Wales wurde 1966 in Alabama geboren, er studierte Finanzwissenschaften und arbeitete als Händler an der Terminbörse von Chicago. Bereits 1996 gründete er seine erste Internet-Firma. Wales lebt mit Frau und Tochter in Florida.

(Foto: Foto: Pixel y Dixel)

Jimmy Wales: Es geht darum, eine offene und transparente Suchmaschine zu schaffen, die auf frei verfügbarer Software nach dem Open-Source-Prinzip basiert. Und dafür gibt es sicher Bedarf. Viele Firmen aus der zweiten Reihe wollen Zugang zur Internet-Suche über offene Software, zum Beispiel Apache, bekommen. Eine offene Gesellschaft braucht Offenheit und Transparenz in ihren Institutionen. Die Art und Weise, wie die Suche im Internet organisiert wird, ist daher fundamental.

SZ: Damit kritisieren Sie indirekt Google, die größte Suchmaschine. Die Suche bei Google basiert auf einem Algorithmus. Was könnte denn neutraler und transparenter sein als eine solche mathematische Formel?

Wales: Wir wissen ja alle nicht genau, wie dieser Algorithmus funktioniert. Das große Problem ist, dass die Suche bei Google beeinflussbar ist, zum Beispiel durch geschäftliche Interessen. Zuweilen sind die Ergebnisse von schlechter Qualität. Wenn Sie ein Stichwort eingeben, steht nach dem Google-Prinzip die Website an erster Stelle, auf die die meisten Links im Internet verweisen. Nach meiner Meinung ist das gar kein Qualitätskriterium. Die menschliche Urteilskraft ist im Zweifelsfall viel effektiver. Darauf wollen wir bei Wikia Search bauen. Wir brauchen die Teilnahme von Menschen.

SZ: Wie wollen Sie die menschliche Urteilskraft einsetzen?

Wales: Das wird funktionieren wie bei Wikipedia. Die Internet-Enzyklopädie wird in einer Gemeinschaft von Nutzern regelmäßig ergänzt, redigiert und verbessert. Auch bei Wikia Search wird eine Gemeinschaft von Nutzern die ganzen Websites positiv oder negativ bewerten und hinterher in eine Rangfolge einordnen.

SZ: Aber wie wollen Sie die Qualität sichern? Im Prinzip kann da doch jeder jeden Unsinn machen.

Wales: Wir haben inzwischen viele Erfahrungen damit gesammelt, wie man Gemeinschaften im Internet organisieren kann. Wir haben klar definiert, was Wikipedia ist - also eine Enzyklopädie und kein Blog, kein Forum für Meinungsäußerungen. Es gibt klare Qualitätsstandards.

SZ: Wie hängen Wikipedia und Wikia Search zusammen?

Wales: Unternehmerisch werden sie nichts miteinander zu tun haben. Wikipedia ist eine gemeinnützige Stiftung, mit der niemand Geld verdient, Wikia Search ist eine Gemeinschaft innerhalb des gewinnorientierten Unternehmens Wikia.

SZ: Und wie finanziert sich Wikia Search?

Wales: Durch Werbung. Es gibt gar keinen Zweifel daran, dass Suchmaschinen heute extrem attraktiv für Werbekunden sind.

SZ: Wie bekommen Sie das nötige Startkapital zusammen?

Wales: Wir haben mehrere Investoren gefunden: Amazon (Onlinehändler), Bessemer (ein US-Wagnisfinanzierer), Mitch Kapor (Gründer des Softwarehauses Lotus), Marc Andreessen (Erfinder des Internet-Browsers Netscape) und Joi Ito (japanischer Wagnisfinanzierer). Allein in der ersten Runde sammelten wir vier Millionen Dollar ein.

SZ: Und wann geht es los?

Wales: Wir haben schon begonnen. Wir stellen ein Team von Entwicklern zusammen, wir kaufen Hardware und kümmern uns um die richtige Software. Die Firma Wikia hat hier in San Mateo (Kalifornien) 40 fest angestellte Leute, ein Teil beschäftigt sich jetzt ausschließlich mit Wikia Search, außerdem holen wir Leute von außen dazu. Ich denke, dass wir gegen Ende des Jahres etwas ins Netz stellen können; das wird noch nicht besonders gut sein, sondern muss sich in den folgenden Monaten innerhalb der Gemeinschaft der Nutzer weiter entwickeln.

SZ: Die Konkurrenz in dem Geschäft ist heftig. Der Softwarekonzern Microsoft hat schon Millionen investiert, um gegen Google eine eigene Suchmaschine zu entwickeln. Werden Sie sich gegen Ihre mächtigen Wettbewerber behaupten können?

Wales: Ich denke nicht an die Konkurrenz. Ich mache einfach das, was mir Spaß macht. Und die Entwicklung von Wikia Search macht definitiv Spaß.

SZ: Manche bezeichnen Sie heute schon als möglichen Google-Killer. Werden Sie das sein? Wales: Das weiß ich nicht. Man wird sehen.

Zur SZ-Startseite