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Unternehmen will neues Mobilfunknetz aufbauen:Mit rechtlichen Mitteln gegen die Bedingungen der Auktion

Schließlich ist die Versteigerung der Frequenzen auch eine gute Gelegenheit für den Staat, mal wieder ein bisschen Geld einzunehmen. Und in der Branche zweifeln viele, dass die Taschen von Liquid Broadband dafür tief genug sind. "Das Telekommunikationsgesetz schreibt bei einer Versteigerung ausdrücklich vor, die Interessen von kleinen und mittleren Unternehmen zu berücksichtigen", betont Rickert. "Dies ist bislang leider unterblieben." Sollten alle Appelle verhallen, wolle man auch mit rechtlichen Mitteln gegen die Bedingungen der Auktion vorgehen.

Es gibt in der Mobilfunktechnik, so sagt Telekomexperte Roman Friedrich von der Beratungsgesellschaft Strategy &, so etwas wie die Gnade der späten Geburt. "Wer heute startet, der hat einen gewissen Innovationsvorsprung. Ein Netz zu bauen, das geht heute deutlich effizienter, als noch vor einigen Jahren. So kann ein Anbieter die Kosten senken - und zwar bei deutlich besserer Leistung." Skeptischer ist dagegen Torsten Gerpott, Professor für Telekommunikationswirtschaft der Universität Duisburg-Essen: "Ein solches Bürgernetz hat sich über eine so große Fläche und mit so vielen Kunden, wie sie in Deutschland zu bedienen wären, noch nicht bewährt". In jedem Winkel der Republik guten Empfang zu haben, ist für viele Kunden enorm wichtig bei der Auswahl ihres Anbieters - selbst dann, wenn die Menschen gar nicht oft unterwegs sind.

Mobil surfen für einen symbolischen Preis: Fünf Euro

Der Neuling wird auch noch andere Hürden überwinden müssen: Einen Kunden, der sich hierzulande daran gewöhnt hat, zum Mobilfunkvertrag ein schickes Smartphone spendiert zu bekommen, davon zu überzeugen, den Anbieter zu wechseln, ist äußerst aufwendig. Auch Sicherheitsbedenken könnten ihn zurückhalten.

Liquid Broadband will all jene, die mit einer eigenen Box beitragen, das Netz immer engmaschiger zu knüpfen, belohnen: Kunden sollen kostenlos oder zum symbolischen Preis von fünf Euro mobil surfen und telefonieren können - so der derzeitige Plan. Und Rickert zeigt sich überzeugt, dass die Deutschen nicht nur auf den Preis achten. "Für die Verbraucher sind die hohen Mauern, die die etablierten Anbieter um ihre Vorgärten gezogen haben, mittelfristig äußerst problematisch. Sie verhindern nämlich den Preis- und Innovationswettbewerb." Im Bürgernetz sollen deshalb, so betont sie, auch kleine Anbieter von Filmportalen, Telemedizin oder gänzlich neuen Diensten eine Plattform bekommen, die es nicht über die hohen Hürden der großen Mobilfunkanbieter schaffen.

© SZ vom 26.11.2014/hatr
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