TV-Aufsicht Das ZDF hat jetzt Internet

Neu im ZDF-Fernsehrat: Leonhard Dobusch

(Foto: Dominik Landwehr)
  • Leonhard Dobusch rückt in den ZDF-Fernsehrat ein. Er soll dort den Bereich "Internet" vertreten.
  • Der Professor will erreichen, dass der Sender besser mit freien Lizenzen umgeht.
  • Der Fernsehrat kontrolliert die Arbeit des ZDF. Er soll die Interessen der Gesellschaft vertreten.
  • Bisher hatten Parteien im Rat das Sagen, doch das musste nach einem Gerichtsurteil geändert werden. An diesem Freitag ziehen neue Mitglieder ein.
Von Jessica Binsch

Wenn sich an diesem Freitag der ZDF-Fernsehrat trifft, wird vieles anders sein. Der Rat war lange ein eher bürokratisches Gremium, Parteien und Politiker bestimmten die Debatten. Dabei soll der Fernsehrat eigentlich im Sinne aller Bürger die Arbeit des ZDF kontrollieren - und nicht Parteipolitik in den Sender tragen, wie es jahrelang der Fall war.

Das soll sich ändern, und dabei soll Leonhard Dobusch helfen. Dobusch ist Jurist und Wirtschaftswissenschaftler, er lehrt an der Universität Innsbruck. Nebenbei schreibt er für das Vorzeige-Blog der Netzaktivisten, Netzpolitik.org, und ab und zu auch für die Süddeutsche Zeitung. Dobusch erforscht, wie sich Bewegungen im Netz organisieren, zum Beispiel jene rund um die Online-Enzyklopädie Wikipedia.

Für das Internet als Ganzes spricht Dobusch eher selten. Von Freitag an ist das aber seine Aufgabe. Dobusch vertritt im Fernsehrat den Bereich "Internet". So steht es offiziell im Rundfunkstaatsvertrag. "Ich musste schon schmunzeln, als ich das gesehen habe", sagt der 36-Jährige.

Dass dieser vage Titel im Vertrag steht, hat einen Grund, und der liegt beim Bundesverfassungsgericht. Es ordnete 2014 an: Der Fernsehrat müsse reformiert werden. Der Einfluss von Parteien sei zu groß, prangerten die Richter an. Andere gesellschaftliche Stimmen müssten stärker vertreten sein. Im neuen Rat dürfen nur noch ein Drittel der Mitglieder aus Parteien und Regierungen kommen. Der Rest soll gesellschaftliche Gruppen vertreten. Da kommen das Internet und sein Abgesandter Dobusch ins Spiel.

"Es ist sehr wichtig, dass der Fernsehrat die Zivilgesellschaft insgesamt widerspiegelt", sagt Journalistik-Professorin Marlis Prinzing. Der Rat soll kontrollieren, dass das ZDF ordentlich arbeitet. Er prüft Beschwerden und muss wichtigen neuen Projekten zustimmen. "Der Fernsehrat ist im Grunde genommen die Interessenvertretung der Allgemeinheit gegenüber dem ZDF", sagt Prinzing. "Da kann man den Zangengriff von Parteien und Politik einfach nicht brauchen."

Mehr Creative-Commons-Lizenzen im ZDF

Neben Dobusch treten eine Reihe weiterer Mitglieder ihr Amt an. Sie vertreten Migranten, Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle, Menschen mit Behinderung oder diejenigen, die sich ehrenamtlich engagieren.

Dobusch sagt, er wolle sich ganz aufs Digitale konzentrieren. "Ich sehe meine Aufgabe darin, einen positiven, optimistischen Blick auf Digitalisierung als Chance und Aufgabe für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu vertreten", sagt er. "Vielleicht schaffe ich es, ein paar Themen voranzubringen, in denen bislang Ängste und Zurückhaltung vorherrschen."

Ein solches Thema könnten offene Lizenzen sein, bekannt als Creative Commons. Nutzer können Texte und Videos unter CC-Lizenz einfacher weiterverbreiten und selbst verwenden. Das ZDF setzt CC-Lizenzen bei einzelnen Projekten wie dem "Faktencheck" zu Wahlen ein, aber nicht im breiten Programm. Die Grafiken und Texte können also auch andere auf ihren Webseiten verwenden.