Technologiekonzern Deutsche zahlen indirekt mit

Nicht nur der amerikanische, auch der deutsche Steuerzahler hat - wenngleich indirekt - in Apple investiert. Die Forschung des Physikers und Nobelpreisträgers Peter Grünberg zum Riesenmagnetwiderstand bedeutete einen Quantensprung in der Entwicklung von Festplatten, deren Mikroversionen heute Apples iPod, iPhone und iPad zugrunde liegen. Grünberg forscht seit den Siebzigerjahren am Forschungszentrum Jülich, für dessen Etat der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen jährlich zwischen 400 und 500 Millionen Euro bereitstellen.

Es war das Genie von Steve Jobs, bahnbrechende Technologien zu vereinen und in revolutionäre Produkte zu verwandeln. Doch Innovation entsteht nie in einem Vakuum, de novo. Sie bedarf eines Ökosystems, in dem alle Teilnehmer einen angemessenen Beitrag leisten. Doch genau dem verwehrt sich Apple.

Risiken werden sozialisiert, Renditen privatisiert

Denn statt die von staatlicher Seite eingegangenen Investitionen wenigstens teilweise zurückzuführen, umgeht Apple systematisch Steuerzahlungen und bringt so den Staat um seinen verdienten Anteil am Gewinn des Unternehmens. Stattdessen hortet das Management um CEO Tim Cook mittlerweile 115 Milliarden Euro (etwa 158,8 Milliarden Dollar) an Cash-Reserven - einen beträchtlichen Anteil davon in Steueroasen wie den Britischen Jungferninseln. Zum Vergleich: Die Schuldenlast der fünf ostdeutschen Bundesländer belief sich im vergangenen Jahr zusammen auf knapp 67 Milliarden Euro, Berlins Schuldenberg auf 60 Milliarden.

Daneben nutzt Apple weitere Steuervermeidungsstrategien: So lässt das Unternehmen Gewinne, die beispielsweise in Deutschland, Frankreich oder Australien erwirtschaftet werden, über Tochterfirmen in Irland laufen - auf der Insel besteht ein wesentlich günstigerer Steuersatz. Schätzungen zufolge gehen dem deutschen Fiskus so etwa 250 Millionen Euro jährlich verloren, in den Vereinigten Staaten sind es gut drei Milliarden Dollar pro Jahr.

Innovations-Ökosysteme können dauerhaft nur bestehen, wenn Risiken und Renditen in einem einträglichen Verhältnis zueinander stehen. Die Innovationsökonomin Mariana Mazzucato, die sich eingehend mit der staatlichen Förderung hinter Apples Technologien befasst hat, prangert zu Recht an, dass dies im jetzigen System gerade nicht der Fall ist. Denn während Staaten Milliarden in risikoreiche Zukunftstechnologien investieren, streichen Unternehmen wie Apple die Gewinne ein - nur um anschließend eine faire Ausschüttung des Profits zu verweigern.

Auf diese Weise werden Risiken sozialisiert und Renditen privatisiert. Und damit der langfristige Fortbestand des Innovationssystems gefährdet. Hierin liegt der faule Kern, der sich unter der glänzenden Schale des Apfels verbirgt.

Mark T. Fliegauf ist Fellow der Stiftung "Neue Verantwortung", einem Berliner Thinktank, der gesellschaftspolitische Herausforderungen des 21. Jahrhunderts erörtert. Der Politologe Fliegauf leitet das Projekt "Innovatives Regieren".