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Start-ups auf der Cebit:Elefanten auf Jagd

CeBIT 2014 Technology Trade Fair

Besucher auf der Cebit 2014

(Foto: Getty Images)

Die Cebit wird zunehmend zur Kontaktbörse zwischen jungen Entwicklern und der Großindustrie. 50 Gründer wollen dort zeigen, was alles mit den richtigen Ideen möglich werden kann.

Dorothea Utzt hat Zuckerwatte dabei. Die 33-Jährige ist eine von 50 Gründern, die in der Messehalle 16 in Hannover zeigen, was alles möglich wird, wenn man sich nur mit den richtigen Ideen an den riesigen Datenberg wagt. Eine gute Idee allein reicht natürlich nicht. Gründer brauchen auch Geld. Und um da ranzukommen, müssen sie für Aufsehen sorgen. Da kann es nicht schaden, auf dem exakt abgemessenen kleinen Stand zwischen schwarzer Wand und gelber Nummer auch etwas Zuckerwatte zu bieten.

Utzt hat vor drei Jahren gemeinsam mit zwei Entwicklern die Plattform Streetspotr gegründet. Die kann jeder per Smartphone ansteuern und dann kleine Aufträge übernehmen - und zwar dort, wo er gerade unterwegs ist. Etwa im Supermarkt fotografieren, wie eine Packung Erdnüsse im Regal präsentiert wird. Oder einen prüfenden Blick auf die Öffnungszeiten einer Arztpraxis werfen. 230 000 Menschen haben sich bei Streetspotr angemeldet. Utzt nennt sie "Europas größte mobile Workforce". Der Getränkehersteller Red Bull hat sich von dieser Mannschaft gut gelegene Trinkhallen im Ruhrgebiet zeigen lassen, die es zu beliefern lohnte. Der Autobauer BMW hat sich auflisten lassen, wie viele Ebenen und welche Öffnungszeiten Parkhäuser haben. "Viele solcher Aufträgen hätte man früher nicht erledigt, weil es viel zu teuer gewesen wäre, da jemanden vorbeizuschicken", sagt Utzt.

Für die Auftraggeber seien die nebenbei eingeholten Informationen präziser als das, was sich aus der Ferne recherchieren lässt. Und für diejenigen, die die Aufträge erledigen, sei das Ganze "ein Hobby, so eine Art Schnitzeljagd", sagt Utzt. Von dem Geld, das die Unternehmen für die Aufträge zahlen, nimmt Streetspotr eine Provision. Kürzlich hat das Start-up zudem etwas Risikokapital eingesammelt.

Nun wollen sie mehr: Es sei nur logisch, sagt Utzt, die Unternehmen dorthin zu begleiten, wo sie sich umsehen müssen. Kürzlich hat Streetspotr den Schritt nach Großbritannien gewagt. Und im April machen sie sich, gefördert durch Bundeswirtschaftsministerium, für drei Monate auf ins Silicon Valley. "Da wollen wir den Einstieg in den amerikanischen Markt vorbereiten." Wer die Welt erobern will, der kommt am Silicon Valley nicht vorbei.

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