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Privatsphäre:Rücksichtsloses Google

Neue Google-Dienste wie Street View und Buzz senden ein alarmierendes Signal: Der Suchkonzern nimmt die Nutzer und ihren Wunsch nach Privatsphäre nicht ernst.

"Don't be evil" - sei nicht böse. Das Motto der Internetsuchmaschine Google klingt so harmlos. Und doch alarmiert das Vorgehen des US-Konzerns, alle Informationen dieser Welt ins Netz zu stellen, zunehmend Politiker und Verbraucherschützer, vor allem in Europa.

Ob Google Streetview, wo jeder einen Blick in Nachbars Garten werfen kann, die Buchsuche von Google oder die zunehmende Marktmacht: Die Sorgen sind berechtigt. Kein Unternehmen sollte allein über alle Informationen verfügen.

Microsoft-Chef Steve Ballmer hat einmal eine schöne Analogie gezogen: Als "Baby" in den 80er Jahren war der Softwarekonzern bei allen beliebt, in den 90ern gefürchtet wegen des rüpelhaften Teenager-Verhaltens und nun reift das Unternehmen, das oft in der Kritik wegen seiner Marktmacht stand, zum Erwachsenen.

Ein solcher Weg steht Google noch bevor: Anfangs von allen gemocht, macht sich der Konzern in der zweiten Dekade seines Bestehens zunehmend unbeliebt. Der Konzern darf aber nicht auf Kosten der Verbraucher reifen.

Philosophie des Machbaren

Mit dem Google-Dienst Buzz hat das Unternehmen gezeigt, dass technisch Machbares im Vordergrund steht, nicht die Privatsphäre der Kunden. Bei Street View ist es nicht anders.

Sicher haben viele kein Problem damit, wenn ihr Haus über das Internet von außen betrachtet werden kann - viele stört das aber doch. Google misst solchen Bedenken zu wenig Aufmerksamkeit bei. Wer gegen Streetview ist, gilt in den Augen des Konzerns als Ewiggestriger.

Viele Informationen sind aber zu bedeutsam, um sie einem einzigen Unternehmen zu überlassen. Die Rivalen schwächeln leider. Vor diesem Hintergrund ist es richtig, dass die Politik sich des Falls annimmt.