Megaupload, Rapidshare und Co. Die Demütigung der Musikindustrie

Aus Sicht der Film- und Musikindustrie könnte man von einer Demütigung zweiter Ordnung sprechen. Das verbindet Schmitz und Schmid übrigens mit Peter Sunde, einem der Betreiber des schwedischen BitTorrent-Trackers ThePirateBay. Sunde stellte 2010 das Minibezahlsystem Flattr vor, mit dessen Hilfe Nutzer freiwillig Kleinstbeträge zahlen können.

Zum Start des Dienstes sagte er im Interview mit der SZ: "Ich bin davon überzeugt, dass es ein Interesse daran gibt, online zu bezahlen. Es hat aber in den vergangenen zehn Jahren fast keine Entwicklung gegeben in der Art und Weise, wie man im Netz bezahlt - das wollen wir ändern."

Bei Rapidshare war das Vorgehen weniger großspurig. Man engagierte den ehemaligen Viva-Moderator Mola Adebisi als Berater, um mit ihm ein besseres Verhältnis zu den Rechteverwertern zu erreichen, die die mittlerweile in die Schweiz verzogene Firma immer wieder mit Klagen vor Gericht brachten. Der Versuch zeigte bisher keine nachhaltigen Erfolge. Was auch an seiner mangelnden Großspurigkeit liegen könnte.

So jedenfalls würde Kim Schmitz argumentieren. Er schickt in diesen Tagen nicht Mola Adebisi, sondern Stars wie Alicia Keys, Will.i.am, Kanye West und Chris Brown in den Ring. In einem vierminütigen Werbe-Song mit dem Titel "Megaupload", der seit ein paar Tagen für Aufregung im Netz sorgt, treten Größen des amerikanischen Musikbusiness auf. Produziert wurde das sehr einfache und sehr eingängige Liedchen von Printz Board, der unter anderem für die Back Eyed Peas gearbeitet hat.

Während sich die Netzöffentlichkeit noch fragte, wie Schmitz all diese Künstler als Werbefiguren für seinen One-Click-Hoster gewinnen konnte, tat die Plattenfirma Universal ihm den Gefallen, dem Video zu größerer Aufmerksamkeit zu verhelfen. Ihre Juristen ließen den Clip beim Videoportal YouTube sperren, weil er angeblich Urheberrechtsverletzungen enthalte.

Dem widersprach Schmitz, präsentierte Vereinbarungen mit den Künstlern und brachte Universal in die Defensive. Statt über Schmitz' Reputation diskutiert das Netz nun die Frage, ob Universal von YouTube Sonderrechte bei der Löschung unliebsamer Videos eingeräumt bekommt.

"Die Musik für immer verändern"

Das böse Wort der Zensur steht im Raum. Universal ist plötzlich der Täter. Kim Schmitz zeigt, dass er verstanden hat, wie die Aufmerksamkeitsmuster im Netz funktionieren, und dass die Musikindustrie auch ein Dutzend Jahre nach Napster den Entwicklungen immer noch hinterher läuft.

"Wir wollen, dass Kreative auch bezahlt werden", fordert Schmitz und dreht auch hier rhetorisch die Debatte. Es sei an der Zeit, endlich Modelle dafür zu finden, erklärt er im Gespräch mit dem Webmagazin Torrentfreak und verrät im nächsten Satz, wer die Lösung bereits parat hat: Kim Schmitz.

Gerade ist sein Streaming-Angebot Megabox gestartet, das "die Musik für immer verändern wird", wie es wenig zurückhaltend in der Pressemitteilung heißt. Die Idee dabei: Künstler, die ihre Musik über Megabox vertreiben, sollen 90 Prozent der Einnahmen erhalten. "Das scheint einer der Gründe zu sein", heißt es in der Pressemitteilung, "warum Universal versucht, unsere Kampagne zu sabotieren und Innovation zu blockieren."

Rechtlich zweifelhaftes Modell

Schmitz sieht Megabox als größten Konkurrenten für Apples überaus populären Musikdienst iTunes. Zudem will er im kommenden Jahr mit Megamovie auch im Filmmarkt angreifen.

Doch damit nicht genug. Seine größte Idee trägt den Titel Megakey. Nutzer, die diese geplante Software installiert haben, erklärt Schmitz gegenüber Torrentfreak, können damit alle Angebote des Mega-Imperiums kostenfrei nutzen. Im Gegenzug tauscht Megakey auf allen Webseiten, die der Nutzer ansurft, die Werbung aus: Statt der Anzeigen, mit denen eigentlich der Websitebetreiber Geld verdienen wollte, zeigt Megakey Werbung aus dem Reklamenetzwerk von Kim Schmitz.

Bis zu 450 Millionen Nutzer erwartet er für dieses rechtlich durchaus zweifelhafte Modell bis zum Jahr 2015. Aber von juristischen Zweifeln will er sich nicht aufhalten lassen. Zumal er ja jetzt für die gute Sache unterwegs ist: Kreative sollen schließlich endlich für ihre Arbeit bezahlt werden.