Kriminalität:Tatort Internet

Viele Gewalttaten werden im Internet angekündigt. Die Polizei hat deshalb Fahndungsgruppen eingerichtet, die im Netz nach Spuren suchen. Hinweise auf mögliche Straftaten werden inzwischen sehr ernst genommen.

Mirjam Hauck

Die Amokläufe in Emsdetten und im finnischen Tuusula haben eins gemeinsam: Sie wurden im Internet angekündigt. Auch die beiden Kölner Schüler, welche die Polizei wegen ihrer Amokdrohung verhörte, waren im Netz aktiv gewesen. Einer von ihnen hatte auf der Internet-Plattform SchülerVZ Bilder des Amoklaufs an der amerikanischen Columbine-Highschool aus dem Jahr 1999 hochgeladen. Dies war Anlass genug für die Kölner Schulleitung, die Polizei zu informieren.

Kriminalität: Ein Kölner Schüler hat Bilder Amoklauf an der Columbine High School in Littleton, USA, auf eine Internetseit geladen.

Ein Kölner Schüler hat Bilder Amoklauf an der Columbine High School in Littleton, USA, auf eine Internetseit geladen.

(Foto: Foto: AP)

Das Internet ist also inzwischen der Ort geworden, an dem potentielle Amokläufer ihre Taten ankündigen oder Hinweise darauf veröffentlichen. Und deshalb durchsuchen die Kriminalämter mittlerweile gezielt das Netz nach solchen Ankündigungenund Drohungen.

Schon im Jahr 1999 hat das BKA eine Stelle eingerichtet, die sich ausschließlich mit Straftaten im Internet beschäftigt. Die Zentralstelle für anlassunabhängige Recherchen in Datennetzen (ZaRD) koordiniert die Fahndungen nach strafbaren Inhalten im Internet und in Online-Diensten im In- und Ausland. Auf Länderebene fahnden vor allem die Landeskriminalämter.

Wie Günter Maeser, der Leiter der Netzwerkfahndung des bayerischen Landeskriminalamtes, erklärt, durchkämmen seine elf Mitarbeiter ohne speziellen Auftrag der Justiz das Internet. Sie sichten Netzwerke und Foren. "Wir suchen dort nach Schlagwörtern, von denen der Otto-Normalverbraucher nicht weiß, dass sie auf unserem Index stehen."

Eine Hauptaufgabe ist die Fahndung nach Kinderpornografie und jugendgefährdenden Inhalten. Aber auch Amokläufe beschäftigen das Kriminalamt derzeit stark. So kündigte am Wochenende ein Jugendlicher im Forum eines Online-Computerspiels eine solche Tat an. Andere User dieses Spieleforums haben die Polizei dann auf diese Drohung aufmerksam gemacht.

Über die IP-Adresse, die man hinterlässt, wenn man sich ins Netz einloggt, ermittelte die Polizei schließlich den Täter. "Der Provider dieser Internseite sitzt zwar in den USA, aber bei dem Thema Amoklauf reagieren die amerikanischen Behörden sehr sensibel. Sie geben uns schnell die entsprechenden Daten weiter", erklärt Günter Maeser vom Landeskriminalamt. "Wir haben Tausende von Fällen, die wir über die IP-Adresse verfolgen." Das Landeskriminalamt nimmt jeden Hinweis auf eine mögliche Straftat sehr ernst. "Denn wir wissen ja nicht, ob es sich nur um Trittbettfahrer oder doch um gefährliche Täter handelt."

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