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Jeff Jarvis über Google:"Pizza Hawaii für alle"

Lässt sich Googles Strategie auf Restaurants oder Autobauer übertragen? Ja, glaubt Medienexperte Jarvis. Über den Nutzen des Datensammelns und deutsche Regulierungswut.

Stephanie Höll und Mirjam Hauck

sueddeutsche.de: Mr. Jarvis, was haben Sie zuletzt gegoogelt?

Jeff Jarvis: Google als Erfolgsmodell für andere Branchen.

(Foto: Foto: privat)

Jeff Jarvis: Ich wollte gestern Abend hier in München ins Kino, mir den Film "Operation Walküre" ansehen und gleichzeitig mein Deutsch verbessern.

sueddeutsche.de: Waren Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Jarvis: Ich habe das gefunden, was ich gesucht habe. Google Maps hat mir auch gleich angezeigt, wo ich das Kino finde und welche Restaurants in der Nähe sind.

sueddeutsche.de: Das heißt, Google macht alles richtig?

Jarvis: Ja. Zum einen haben sie ein hervorragendes Produkt. Die Suche ist großartig, zum anderen verstehen sie die Welt des Internets sehr gut. Alle erfolgreichen Internetunternehmen wie beispielsweise auch Amazon oder Craigslist wissen, wie man im Netz erfolgreich ist. Ich habe das Buch geschrieben, weil ich herausfinden wollte, was Google anders macht. Vor allem hat mich interessiert, wie sich Googles Regeln auf andere Branchen übertragen lassen.

sueddeutsche.de: Was macht Google anders?

Jarvis: Ich habe 40 Regeln gefunden. Die wichtigsten sich sicher, dass Google ein offenes, transparentes Unternehmen ist, das seine Kunden bei der Produktentwicklung mit einbezieht.

sueddeutsche.de: Aber auch Google hat Geheimnisse. So gibt das Unternehmen nicht Preis, wie genau der Algorithmus funktioniert, der die Suchtreffer-Reihenfolge festlegt.

Jarvis: Ja, Google verheimlicht einige Unternehmensdetails, aber bei Fragen der Produktentwicklung ist das Unternehmen sehr offen. Sie bringen ein Produkt heraus, bevor es fertig ist, also eine Beta-Version. Und das bringt dem Unternehmen Vorteile. Wenn Sie ein Produkt der Öffentlichkeit vorstellen, können sie Anregungen und Verbesserungsvorschläge der Nutzer aufnehmen. So können die User immer Beta-Versionen der neuen Google-Produkte testen.

sueddeutsche.de: In Ihrem Buch schreiben Sie, dass sich das Erfolgsrezept auch auf andere Branchen wie die Autoindustrie übertragen lässt. Aber ein Auto im Beta-Stadium würde wohl keine Straßenzulassung bekommen.

Jarvis: Nein, aber der Hersteller kann den Prozess der Produktentwicklung öffnen und auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen. Warum kann er nicht einfach ein unlackiertes Auto anbieten, oder ein Auto, in das ich Armaturenbrett oder die Sitze eines anderen Hersteller einbauen kann? Die Autofirmen der Zukunft müssten eine Plattform für andere Autofirmen sein und das Auto anbieten, das die Fahrer möchten, und nicht das, was ihnen selbst gefällt.

Wenn man noch weiter denkt, wäre das Geschäft einer Google-Autofirma vielleicht aber auch gar nicht das Produzieren, sondern Leute von A nach B zu fahren und sie dabei gut zu unterhalten.

sueddeutsche.de: Auch für Restaurants haben Sie eine Google-Erfolgstrategie entwickelt.

Jarvis: Man könnte sich zum Beispiel vorstellen, dass die Kartei eines Restaurants nicht nur das Menü zeigt, sondern auch statistische Daten wie "80 Prozent unserer Gäste haben bereits den Krabbensalat probiert" oder "90 Prozent haben Pizza mit Ananas bestellt". Das klingt zwar schrecklich, aber 90 Prozent können sich ja nicht irren.

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