IFA 2009:Bügeln wie Bullock

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Keine Abwrackprämie für Stromfresser: Wirklich Neues präsentieren die Hersteller von Haushaltsgeräten auf der IFA nicht. Die Weiße Ware verkauft sich trotzdem - zumindest in Deutschland.

Thorsten Riedl

Beistand bekam Reinhard Zinkann dieser Tage von ungewohnter Seite: Der Geschäftsführer des Haushaltsgeräteherstellers Miele zitierte am Mittwoch bei der Pressekonferenz seiner Firma für die Messe IFA aus einem Interview mit Sandra Bullock.

IFA 2009: Schauspielerin Sandra Bullock plättet gerne mit deutschen Geräten.

Schauspielerin Sandra Bullock plättet gerne mit deutschen Geräten.

(Foto: Foto: ddp)

Ihre Miele-Geräte würden sie in ihrem Glauben an das Gute in der Welt bestärken, hatte die Schauspielerin erklärt. "Ich liebe es, mit ihnen zu waschen und zu bügeln. Das Gefühl, wenn diese gebügelten Laken aus der Kleiderpresse kommen - es ist göttlich." Tröstende Worte für den Urenkel des Miele-Mitbegründers: Auch die Haushaltsgeräteindustrie spürt die Krise, vor allem außerhalb des deutschen Marktes.

Die Hersteller von Haushaltsgeräten, der sogenannten Weißen Ware, nehmen seit dem vergangenen Jahr an der Funkausstellung teil. Zuvor war eine der ältesten Industriemessen der Welt den Firmen aus der Unterhaltungselektronikindustrie vorbehalten. Für die Branche habe sich die erste Teilnahme an der IFA 2008 ausgezahlt, berichtete Zinkann, der zugleich Sprecher der deutschen Hausgeräteindustrie und Vorsitzender des Fachverbands Elektro-Haushalt-Großgeräte im Industrieverband ZVEI ist.

Wenig Neues

In diesem Jahr soll die Messe die dringend benötigten Impulse bringen, um die Kauflaune der Verbraucher zu stimulieren. "Schreiben Sie viel über die Innovationen", forderte daher Roland Hagenbucher, Chef der Hausgerätesparte von Siemens, die Journalisten bei der Presseveranstaltung seines Hauses auf. "Es wird der Branche sicher gut tun."

Die "Innovationen", das sind in erster Linie Produkte, die sehr denen ähneln, mit denen die Hersteller von Haushaltsgeräten schon im vergangenen Jahr zur Messe gefahren sind.

So spart der Staubsauger - im Branchenjargon das "Bodenpflegegerät" - mehr Strom bei gleicher Saugleistung, die Waschmaschine wäscht mit noch weniger Wasser, der Kühlschrank kühlt, natürlich auch mit weniger Energie. Und die Spülmaschine wird so schmal, dass gleich mehrere Geräte zuhause Platz finden. "Mein Traum ist erfüllt, dass es einen Zweit- oder Drittspüler in der Küche gibt", sagte Siemens-Mann Hagenbucher, nannte etwa ein Spülgerät nur für Töpfe - und ließ dabei keine Spur von Ironie erkennen.

Positive Ausnahme

Die Aussage war dem Top-Manager ernst. Kein Wunder, dass solche vorgeblichen Neuheiten in Zeiten wie diesen nicht in die Geschäfte locken. Das alte Gerät hält ja vielleicht noch ein wenig. Zumal die umworbenen Produkte nicht nur Strom sparen - sondern auch in der Anschaffung mehr kosten. In weiten Teilen Europas und in Nordamerika verzeichnet die Branche daher Einbrüche.

"Eine positive Ausnahme stellt der deutsche Markt dar", erklärte Zinkann. Der Umsatz hierzulande soll in diesem Jahr um drei Prozent steigen, wie 2008. Eine Abwrackprämie für alte, stromfressende Haushaltsgeräte ist daher in weiter Ferne. Im vorigen Jahr hatte der Verband ZVEI darauf gedrängt. Die Verhandlungen mit Berlin seien weit fortgeschritten gewesen, sagte Zinkann. "Wir bleiben weiter am Ball", erklärte er.

In Deutschland rettet vor allem der Ersatz von defekten Geräten das Geschäft. Nach dem Bauboom Anfang der neunziger Jahre seien jetzt viele Geräte reif zum Austausch, so Volker Klodwig, erster Mann der Hausgerätesparte von Bosch. Wer sich ein wenig Sandra-Bullock-Gefühl zuhause gönnen will, kann bei der IFA den Miele-Stand besuchen. Dort werden neue Bügelmaschinen gezeigt. "Während der gesamten Messe wird gebügelt", erklärte Zinkann. "Auch Bügeln kann Spaß machen." Er ließ ebenfalls keine Ironie in seinen Worten erkennen.

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