Forschungsprojekt Perma.cc Wissenschaft will Links unsterblich machen

Ein großes Problem des Internets sind tote Links. Je mehr Zeit vergeht, desto höher der Anteil der Verweise, die ins Nichts führen. Davon betroffen sind unter anderem Wissenschaft, Rechtssprechung und Geschichtsschreibung. Eine Forschergruppe aus Harvard liefert jetzt einen Lösungsvorschlag.

Sie gelten als die Währung des Internets: Hyperlinks. Ganze Unternehmen und deren Philosophien haben sich um das Prinzip des Verlinkens ausgebildet. Links sind für Google gleichermaßen wichtig wie für Wikipedia. Für wissenschaftliche Arbeiten sind sie zum Standard geworden, auch der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten verlinkt in seinen Urteilsschriften häufig.

Das Problem aber: Die Hälfte aller Links, die in den Dokumenten des Supreme Courts auftauchen, führen ins Nichts. Das ergibt eine Studie der Harvard University (die Studie finden Sie hier, den Blogbeitrag der Forscher hier). Ähnliches lässt sich einer weiteren Studie zufolge auch in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter beobachten. Die Forscher untersuchten anhand von historischen Großereignissen zwischen 2009 und 2012 (Tod von Michael Jackson, Aufstand in Ägypten), was mit den Links passierte, die in dieser Zeit gepostet wurden.

Ihr Ergebnis: Je mehr Zeit verging, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass die Links ins Nichts führten. Innerhalb von zwei Jahren seien 27 Prozent aller Links damit nutzlos geworden. Der Fachbegriff für das Phänomen lautet "link rot", übersetzt: ein toter Link.

Die Seite Perma.cc will das Problem nun lösen und die Links, um in der Metapher zu bleiben, unsterblich machen. Zumindest im Bereich der Wissenschaft sollen Links langfristig zugänglich bleiben.

Perma.cc ist ein Zusammenschluss von 30 Organisationen. "Gebaut und instand gehalten von Bibliotheken", heißt es in der Unterzeile. Die Federführung liegt beim sogenannten "Innovation Lab" von Harvard. Die Seite befindet sich momentan noch in einer Betaphase, soll aber bald öffentlich zugänglich sein.

Verewigte Links

Die Seite soll so funktionieren: Wer eine wissenschaftliche Arbeit schreibt, kopiert die Seite, die er zitieren will, in eine Leiste auf Perma.cc. Dort wird der Inhalt der Seite heruntergeladen und anschließend ein Link herausgegeben über die Adresse perma.cc. Diesen Link soll man ohne Bedenken in seine Arbeit einfügen können. Anschließend werde geprüft, ob der Link auch den vermeintlichen Inhalt anzeigt. Treffe dies zu, werde er gespeichert und sei fortan abrufbar.

Links müssen auf lange Zeit hin erreichbar sein, sagt Kim Dulin, Leiterin des Innovation Lab dem Magazin Times Higher Education: "Der Schlüssel zum Rechtsverständnis ist es, sich die Fußnoten anzuschauen." Ohne nachprüfbare Zitate könnten Gerichte und Anwälte die Argumentation nicht mehr nachvollziehen.

Die Initiative plant, diesen Dienst langfristig auch auf andere Disziplinen auszuweiten.