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Erfolgreiches YouTube-Video:Ein Liebeslied für Google Plus

Eine junge Frau besingt die Vorzüge des Netzwerks Google Plus und die Internet-Nutzer staunen. Doch nicht alle glauben an einen Hit ohne Marketing-Hintergrund: Die Sängerin hat bislang kaum Spuren im Netz hinterlassen.

Michael Moorstedt

Im Internet fällt es leicht, sich zu allem zu äußern. Für so gut wie jeden Gegenstand und Geisteszustand gibt es eine Seite im Netz. Dass nun eine junge Frau, die Ashley Pitman heißt, eine Liebeslied an das soziale Netzwerk Google+ aufgenommen hat, wäre im elektronischen Rauschen untergegangen - würde es sich nicht um Google handeln, ein Unternehmen, das von Männern geführt wird, die nicht mehr über Geld sprechen, sondern darüber, wie sie die Welt verändern.

120 Sekunden preist Frau Pitman zur Melodie des Queen-Hits Another One Bites The Dust die Vorzüge von Google+: Endlich könne man die "Hässlichen", die "Randalierer" und "die Freunde, die man niemals mochte", aussperren.

So bewirbt Google sein neues soziales Netzwerk, das in direkter Konkurrenz zu Facebook steht. Choreographiert ist der Industriesong als eine Art Zustand des Grauens: Ashley Pitman sitzt in einem dunklen Zimmer, auf dem Schreibtisch lagern kalte Fast-Food-Schachteln, sie fixiert ihren Monitor. Sie: vernichtet Zeit, bis das nächste Status-Update der Friends Ablenkung verspricht.

Ein paar Hunderttausend Menschen haben das Video mittlerweile auf Youtube angesehen. Es gibt auch einen Facebook-Song, der wurde inzwischen von mehr als zehn Millionen angeklickt. Den Facebook-Clip sollen zwei Komiker ohne wirtschaftlichen Interessen aufgenommen haben. Beim Google+-Lied ist die Urheberschaft noch unklar.

25 Millionen Nutzer haben sich seit Juni, seit dem Start, bei Google+ registriert. Mit der Erweiterung um Spiele wie Angry Birds macht Google+ klar, mit Facebook um Kunden und Werbung kämpfen zu wollen. Allerdings hat Facebook weltweit 600 Millionen Mitglieder, damit verglichen ist Google+ kaum sichtbar.

Pitmanns Verheißungen

Die Reaktionen auf Ashley Pitmans Google+-Verheißungen sind gemischt. Die einen kritisieren, dass das Andenken des 1991 verstorbenen Queen-Sängers Freddie Mercury besudelt werde. Bei anderen wird problematisiert, dass es sich auch um eine virale Marketingkampagne handeln könnte.

Die Liste gefälschter Persönlichkeitsprofile im Internet ist so endlos wie das Netz selbst. Bekanntestes Beispiel ist lonelygirl15, ein angeblich verzweifelter Teenager, der auf Youtube aus seinem Leben reportierte. Die Zugriffszahlen stiegen und stiegen - bis sich herausstellte, dass das einsame Mädchen Schauspielerin ist und mit dem Videotagebuch nur eine Filmproduktionsfirma auf sich aufmerksam machen wollte.

Keine Spuren

Das Google+-Video stammt ursprünglich von der amerikanischen Website break.com. Dort werden ebenso schlecht hergestellte wie alberne Videos von sehr betrunkenen Studenten veröffentlicht - eine Mischung aus RTL-Explosiv und Die lustigsten Heimvideos.

Ashley Pitman versichert auf ihrem Google+-Profil, sie selbst zu sein. Doch auf den bisher gängigen Netzwerken - von Twitter bis Myspace - gibt es keine Spur von ihr, den Clip ausgenommen.

Das ist merkwürdig, denn heute hinterlässt beinahe jeder Zehn- bis 60-Jährige einen Datenabdruck in sozialen Netzen. Google besteht übrigens darauf, dass Nutzer sich bei Google+ mit echten Namen anmelden.

© SZ vom 13.08.2011/joku

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