E-Book Die Daten des jungen Werthers

Apple war es auch, die der zaudernden Musikindustrie zeigte, dass es ein Fehler war, aus Angst vor Raubkopien keine eigenen oder nur durch Kopierschutz bis zur Unbrauchbarkeit verkrüppelten elektronischen Versionen von Musikstücken anzubieten. "Wenn es kein legales Angebot gibt, kommen die Bücher eben illegal auf die Lesegeräte", warnt Pascal Zimmer vom Großhändler Libri.

Libri ist einer der Partner des japanischen Unterhaltungs-Konzerns Sony, der im Frühjahr ein Lesegerät in Deutschland einführen will. Das Gerät, das in Frankreich oder Großbritannien bereits erhältlich ist, wird bei Libri zu bestellen sein, aber auch Buchhändler können es verkaufen. Die Preise elektronischer Bücher liegen in England und Frankreich unter dem Ladenpreis für gedruckte Ausgaben. Das Lesegerät kostet etwa 300 Euro. 2500 (Frankreich) beziehungsweise 6000 Titel (England) stehen bereits zur Verfügung.

Noch keine Europa-Offensive

Amazon, das mit dem Lesegerät Kindle und mehr als 200.000 im Internet bestellbaren Buchtiteln den amerikanischen Markt für E-Books dominiert, hat noch keine Europa-Offensive angekündigt. Doch dass der weltgrößte Versandhändler wartet, bis Sony oder andere Konkurrenten sich in Europa etabliert haben, ist aber nicht zu erwarten. Zudem hat das Kindle getaufte US-Lesegerät ein Merkmal, das es von allen anderen abhebt: ein eingebautes Funkmodul, das sich wie ein Handy in das UMTS-Mobilfunknetz einklinkt, ohne dass dafür zusätzliche Gebühren fällig würden.

"Unsere Vision ist es, dass man jedes Buch, das je gedruckt wurde, in 60 Sekunden herunterladen kann", sagt Anne Stirnweis, die bei Amazon für digitale Medien zuständig ist. Das klingt verdächtig nach der Diktion eines weiteren Giganten im Online-Geschäft: Auch Google könnte versuchen, am Geschäft mit der digitalen Literatur teilzuhaben.

Seit Jahren lässt der Suchmaschinenbetreiber weltweit Bücher einscannen, weit mehr als eine Million sind bereits erfasst. Ende Oktober folgte ein wichtiger Meilenstein: Der Konzern legte gegen Zahlung von 125 Millionen Dollar den Streit mit der Vertretung der US-Autoren bei. Sollte Google rechtefreie Bücher werbefinanziert, aber kostenlos zum Herunterladen anbieten, träfe das Verlage und Handel schwer.