Dubiose Online-Lexika Deutschsprachige Bibliotheken greifen zu

Anbieter Amazon, dem Blogger und Autoren Tatenlosigkeit und eigene Profitinteressen vorwerfen, redet sich heraus, man wolle "nicht darüber entscheiden, welche Titel oder welche Inhalte von Kunden (nicht) erworben werden können, sofern sie legal erhältlich sind". Auch Wikimedia Deutschland, der Verein, der Wikipedia trägt, sieht es nicht als seine Aufgabe an, zu kritisieren oder gar einzugreifen.

Books Llc ist nicht das einzige Unternehmen, das Profit aus dem bei Wikipedia gesammelten Wissen zieht. Mehrere Verlage, die zur "VDM Publishing House Ltd." mit Sitz auf Mauritius gehören, haben Wikipedia als Goldgrube entdeckt: Nach eigenen Angaben haben der "Doyen Verlag", "Alphascript Publishing", "Betascript Publishing" und "Fastbook Publishing" "leider erst" 350.000 Titel herausgegeben, die auf Wikipedia-Artikeln beruhen; knapp 6000 finden sich bei Amazon.

Zum Firmennetz gehört auch der "VDM Verlag Dr. Müller" in Saarbrücken, der bislang vor allem mit dem Nachdruck von wissenschaftlichen Arbeiten Geschäfte gemacht hat. Den Angeboten dieser Gruppe muss man zu Gute halten: In der Amazon-Beschreibung wird auf Wikipedia hingewiesen, die Zusammenstellung der Artikel erscheint weniger wahllos, und die Einleitung ist in einwandfreiem Deutsch verfasst.

Doch wer soll so etwas kaufen? Wer ist in der Lage, bei Amazon nach Literatur zu suchen, zahlt aber 22,19 Euro oder auch 39 Euro für eine Kompilation von Texten, die er kostenlos und tagesaktuell herunterladen könnte?

"Sinnlose Bücher" im Bestand

In der VDM- Gruppe war bislang keiner zu sprechen, der die Geschäftsidee erläutern oder Angabe zur Zielgruppe machen könnte. Auf der Homepage von Books Llc fehlt sogar ein Impressum. Nur wer ein Buch bestellt hat, kann sich einloggen. Dort findet sich aber die Angabe, dass angeblich vor allem Bibliotheken die Wiki-Bücher kaufen.

In diesem Zusammenhang ist es erschreckend, was der Dresdner Plagiatsforscher Stefan Weber entdeckt hat: Im Karlsruher Virtuellen Katalog hat er für die genannten Verlage 417 Treffer in den Beständen deutscher, österreichischer und Schweizer wissenschaftlicher Bibliotheken gefunden. Er könne nicht eruieren, wie viele kommunale öffentliche Bibliotheken "diese sinnlosen Bücher" gekauft haben.

Womöglich seien weit mehr als 1000 im Umlauf.

Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung.