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Digitalkameras:Die Pixel-Lüge

Mehr Megapixel verheißen nicht unbedingt schärfere Fotos: Neue digitale Kompaktkameras machen oft schlechtere Bilder als ihre Vorgänger.

Digitalkameras sind der Renner unter den Fotoapparaten. 106 Millionen Apparate wurden allein im Jahr 2006 weltweit verkauft, herkömmliche Kameras, die noch mit Film arbeiten, werden kaum mehr nachgefragt. Innerhalb von nur zehn Jahren haben kompakte Digitalkameras erstaunliche Leistungen entwickelt. Geräte, die locker hinter einer flachen Hand verschwinden, liefern gestochen scharfe Abzüge, die auch auf weit größerer Fläche als Postkartenformat noch überzeugen können.

Nicht nur bei Japanerinnen beliebt: digitale Kompaktkameras

(Foto: Foto: dpa)

Und die Elektronik beginnt mitzudenken: Erste Geräte können nicht nur Gesichter erkennen, sondern auch, ob die anvisierte Person lächelt. Vor allem aber haben die Hersteller an einer Schraube kräftig gedreht: An der Zahl der Bildpunkte, die die Kameras pro Foto aufzeichnen können, den sogenannten Picture elements, landläufig als Pixel bekannt.

Dem Kunden wird suggeriert, die Zahl der Pixel sei das oberste Qualitätsmerkmal und Kenngröße der modernsten Modelle. Doch bei genauem Hinsehen wird klar: Der Pixelwahn hat die Grenze der Vernunft überschritten. Viele moderne - und pixelstärkere - Kameras sind schlechter als ihre Vorgänger.

Der Grund dafür, warum die Hersteller im Halbjahrestakt immer mehr Megapixel in die Kompaktkameras packen, kommt aus der Historie der digitalen Kameras. Die ersten Modelle konnten tatsächlich nur so wenige Bildpunkte erfassen, dass schon Abzüge auf Postkartengröße wie Grafiken eines Pointillisten wirkten und jede gerade Kante wie ein Treppchen aussah.

"Zu Beginn der Digitalzeit brachten mehr Pixel mehr Qualität", sagt der Fotoingenieur Uwe Artmann, "das das hat sich bei den Käufern im Kopf festgesetzt." Artmann arbeitet bei der Frechener Firma Image Engineering, die seit zehn Jahren Kameras testet, im Auftrag von Fachzeitschriften und Herstellern.

Grüner Matsch statt Grashalme

Die unabhängigen Fachleute haben registriert, dass die Qualität kompakter Digitalkameras abnahm, nachdem die Hersteller begannen die lichtempfindlichen Bildsensoren mit mehr als sechs Millionen Pixel vollzupacken. Anstatt, wie in der Werbung verkündet, noch mehr Details zu liefern und größere Ausschnitte zu erlauben, ist die Qualität der Pixelmeister in Wahrheit oftmals schlechter. Feine Details wie Gras auf einer Wiese werden nicht feingezeichnet dargestellt, sondern als grüner Matsch. Einfarbige Flächen erscheinen schon bei geringen Ausschnittvergrößerungen grieselig.

Um die Verbraucher aufzurütteln, haben Mitarbeiter der Firma Image Engineering die Webseite 6mpixel.org ins Netz gestellt. Dort wird versucht, gegen den überhand nehmenden Pixelwahn anzugehen. Auch bei der Stiftung Warentest ist schon von dem Problem die Rede.

Allzu logisch erscheint vielen Kunden die Gleichung, wonach mehr Bildpunkte mehr Auflösung bedeuten. Der Grund für den Qualitätsschwund liegt in der gleichbleibenden Fläche der lichtempfindlichen Sensor-Chips hinter dem Objektiv. Diese Silizium-Plättchen sind sehr viel kleiner als etwa das Format eines herkömmlichen Kleinbildfilms. Die lichtempfindlichen Zellen sind in extremer Dichte aufgebracht. Eine gängige Größe von Sensoren in Digitalkameras für Normalanwender ist beispielsweise ein Chip von 5,76 mal 4,29 Millimeter.

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