Computerspiel "Viscera Cleanup Detail":Indiegames als Imagepflege

Den Rohentwurf von "Viscera Cleanup Detail" luden die Richerts auf die Internet-Vertriebsplattform Steam. Dort können Computerspiele gekauft und sofort heruntergeladen werden. Zudem funktioniert es wie ein soziales Netzwerk für Gamer. Neben den Blockbuster-Titeln großer Publisher wie Activision oder Ubisoft, die es dort auch gibt, hat sich Steam zu einer beliebten Einkaufslandschaft für Indiegames entwickelt. Unabhängige kleine Studios können hier Spiele verkaufen, für die sich keine breite Käuferschicht findet.

Aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten rechneten sich Indiegames für die Soft- und Hardwareriesen lange Zeit nicht, sondern dienten eher der Imagepflege. Doch der Markt ist größer geworden und weniger betreuungsintensiv. Microsoft hat angekündigt, die Schnittstellen der Xbox One für die kreative Ideen der Hobby-Entwickler zu öffnen. Ein offener Marktplatz ist geplant, als Vorbild dienen Apples Verkaufsplattformen. Sony setzt hingegen auf das Gießkannenprinzip und unterstützt einzelne Projekte, die vielversprechend erscheinen.

Freiwillig putzen

Valve, der Betreiber von Steam, geht noch einen Schritt weiter und lässt die Kundschaft mitbestimmen, bei welchen Spielen Geburtshilfe geleistet werden wird. Auf Steam Greenlight können Gamedesigner Ideen pitchen, ähnlich wie sich Werbeagenturen um einen Auftrag bewerben. Anschließend stimmt die Community ab. Findet ein Vorschlag genügend Befürworter und damit potentielle Käufer, bekommt er grünes Licht und kann in Produktion geben. "Viscera Cleanup Detail" ist derzeit eines von 90 Spielen in Vorbereitung, 50 Spiele sind bereits veröffentlicht worden.

Die Spielergemeinschaft freut sich derweil auf den bevorstehenden Release. Es gibt viele Vorschläge, wie man das Spiel erweitern kann. Manche wünschen sich Monster, die vor den Kämpfen fliehen konnte und sich nun an das Putzpersonal heranmachen. Andere freuen sich über den nerdigen Humor: "Das macht überhaupt keinen Sinn. Ich liebe es". Ein Nutzer namens dAmihl prophezeit, er sehe bereits "all die Mütter da draußen wahnsinnig werden, weil ihre Kinder freiwillig in einem Computerspiel putzen, aber nicht ihr Zimmer aufräumen." Noch befindet sich das Spiel in einer frühen Version. Frühestens in ein paar Monaten werden Gamer auf der ganzen Welt ihrem digitalen Putzfimmel frönen dürfen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB