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Spielkonsole:Nintendo Classic Mini - braucht man das?

Das NES mini ist kaum größer als die Spielkassetten des originalen Nintendo Classics.

(Foto: AFP)

Mit dem NES Mini kann man sich auf Zeitreise in die Welt der Spieleklassiker begeben. Die Konsole bietet aber mehr als reine Nostalgie.

Die wichtigste Taste gibt es auf den Eingabegeräten heutiger Spielkonsolen nicht mehr. "Select" ist darauf zu lesen, und in den meisten Spielen passiert nicht einmal etwas, wenn man darauf drückt. Dafür ist seine Wirkung im Hauptmenü der Retro-Konsole Nintendo Classic Mini umso größer. "Sortieren nach Erscheinungsjahr" steht dann plötzlich auf dem Bildschirm, und die 30 Spieleklassiker, die zwischen 1986 ("Excitebike") und 1993 ("Pac-Man") erschienen sind, werden zur nahezu didaktisch geordneten Zeitreise.

Das "NES Mini", so der Spitzname des kleinen Computers, ist keine Spielkonsole, sondern ein Mini-PC. Technisch ist das Retro-Paket daher wenig beeindruckend, auch die unbequem eckigen Controller im Uralt-Design machen deutlich, warum heute kein Eingabegerät mehr so aussieht.

Das NES Mini ist ein Standardwerk für Konsolenspieler

Aber egal. Denn der beste Grund, ein NES Mini zu kaufen oder zu Weihnachten zu verschenken, ist die Software - wenn man denn eins ergattert. Wegen der hohen Nachfrage wird das Gerät, das eigentlich nur 69 Euro kostet, zu weit überhöhten Preisen angeboten. "Excitebike" markiert als Anfangspunkt der Zeitreise einen wichtigen Übergang von den Spielen der C64- und Atari-Generation hin zu den Wohnzimmerkonsolen, die mit dem NES 1983 (in Japan) beziehungsweise 1986 (in Europa) ihren Siegeszug begannen. Und dann ist es ausgerechnet der ewige Klassiker "Pac-Man", der als jüngstes NES-Spiel die Kurve zur Vorgänger-Generation schlägt.

Dazwischen liegen allerlei wegweisende Titel: Der Arcade-Boxer "Punch-Out"; "Castlevania" und "Metroid", die das Plattform-Genre zum ersten Mal auf den Kopf stellten; die Rollenspiel-Urgesteine "Final Fantasy" und "Legend of Zelda"; und natürlich "Super Mario Bros", dessen erstes Level heute noch in Vorlesungen als Paradebeispiel für gutes Gamedesign vorgeführt wird.

Es ist diese kluge Auswahl, die aus dem NES Mini mehr als nur einen nostalgischen Ausflug macht. Das NES Mini ist ein Standardwerk für alle, die mit dem Medium Computer- und Videospiel mehr verbinden als nur ein paar Stunden Zerstreuung, eine Art Grundkurs in modernem Gamedesign.

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© SZ vom 16.11.2016/seg
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